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Wie bringe ich meinem Kind Finanzen bei?

Kindern Finanzen beibringen heißt nicht, Vorträge über Zinsen zu halten. Es heißt: im richtigen Moment die passende Alltagssituation nutzen — und das Kind selbst rechnen, sparen und entscheiden lassen.

5 Altersstufen
AT + DE Richtwerte
9 Min. Lesezeit

Die gute Nachricht zuerst: Du musst kein Finanzprofi sein. Die meisten Dinge, die ein Kind über Geld lernen soll, passieren nebenbei — an der Kassa, beim Sparen auf ein Lego-Set, beim ersten Lohnzettel. Deine Aufgabe ist nicht, alles zu erklären, sondern die Gelegenheiten zu erkennen und dein Kind machen zu lassen.

Und die zweite gute Nachricht: Für den Teil, der doch Erklärung braucht — was eine IBAN ist, wie Zinsen funktionieren, warum ein ETF etwas anderes ist als eine Aktie — musst du dir nichts ausdenken. Dafür gibt es die Rookie-Artikel und die Rechner auf dieser Seite. Dieser Text zeigt dir, wann welches Thema dran ist und welches Werkzeug dir die Erklärung abnimmt.

Kinderhand steckt eine Münze in ein Sparschwein
Selbst zahlen, selbst einzahlen: Der Umgang mit Geld entsteht beim Tun — nicht beim Zuhören. Foto: Dany Kurniawan / Pexels

1 Das Prinzip: mitmachen schlägt erklären

Verhaltensforscher der University of Cambridge haben 2013 im Auftrag des britischen Money Advice Service untersucht, wann sich der Umgang mit Geld entwickelt. Ergebnis: Die Grundlagen — Selbstkontrolle, vorausplanen können, einen Wunsch aufschieben — sind bei den meisten Kindern mit etwa sieben Jahren angelegt. Nicht das Faktenwissen, sondern die Denkgewohnheiten.

Das heißt für dich: Es kommt weniger darauf an, Zinsen früh und perfekt zu erklären, als darauf, dass dein Kind früh die Erfahrung macht: Geld ist begrenzt, man kann es sich einteilen, und Warten lohnt sich manchmal. Diese Erfahrung entsteht beim Abwägen zwischen zwei Wünschen — nicht in einem Vortrag.

Die eine Regel, die alle Fachstellen teilen — von der Österreichischen Nationalbank bis zum Deutschen Jugendinstitut: Taschengeld wird regelmäßig gezahlt, in fester Höhe, und unabhängig von Noten oder Verhalten. Es ist ein Übungsfeld, keine Belohnung. Wer daran dreht, nimmt der Übung die Verlässlichkeit.

2 Der Alters-Flow: was wann dran ist

Die Altersgrenzen sind grobe Orientierung, keine Prüfungstermine — Kinder sind unterschiedlich weit. Der rote Faden bleibt gleich: erst begreifen, dass Geld endlich ist, dann einteilen lernen, dann ein eigenes Konto führen, dann selbst verdienen, dann anlegen.

4–6 Jahre
Geld ist begrenzt
Worum es geht
Geld ist nicht unendlich. Es ist weg, wenn es ausgegeben ist. Bezahlen und Wechselgeld gehören zusammen.
Die Alltagssituation
Dein Kind zahlt an der Kassa selbst und zählt das Wechselgeld. Ein durchsichtiges Sparglas für einen konkreten Wunsch — man sieht, wie es voller wird.
FinWissen
Noch kein eigenes Thema — jetzt geht es ums Taschengeld. Wöchentlich, kleine Beträge. Richtwerte im Abschnitt 4.
7–10 Jahre
Sparen und Warten
Worum es geht
Auf etwas Größeres hinsparen. Preise vergleichen. Der Unterschied zwischen „ich brauche das“ und „ich will das“.
Die Alltagssituation
Beim Einkauf zwei Packungen vergleichen lassen. Ein Sparziel aufschreiben und den Fortschritt abhaken. Erste eigene kleine Käufe ohne dich.
FinWissen
Gemeinsam lesen: Was ist Geld? und Taschengeld clever einteilen.
11–13 Jahre
Konto, Zinsen, Werbetricks
Worum es geht
Ein eigenes Konto und eine Karte. Was eine Bank eigentlich macht. Wie Shops und Werbung zum Kaufen bringen.
Die Alltagssituation
Das erste Jugendkonto eröffnen (Details im Abschnitt 3). Zusammen eine Shop-Seite auf Tricks abklopfen — künstliche Knappheit, „nur noch 2 verfügbar“, vorausgewählte Zusatzoptionen.
FinWissen
Erstes Bankkonto, Was ist eine IBAN?, Was macht eine Bank?, Wie funktionieren Zinsen?, Konsum & Marketing-Tricks. Für die Schule: die Unterrichtseinheit „Trick-Detektiv“.
14–16 Jahre
Erstes eigenes Geld
Worum es geht
Ferialjob bzw. Ferienjob. Warum vom Brutto weniger übrig bleibt. Ein Monatsbudget aufstellen.
Die Alltagssituation
Den ersten Lohnzettel zusammen durchgehen: Was ist Sozialversicherung, was Lohnsteuer? Das erste selbst verdiente Geld bewusst aufteilen — Fixkosten, Sparen, frei verfügbar.
FinWissen
Brutto-Netto-Rechner, Ferienjob-Rechner, Haushaltsrechner, Was ist ein Budget?, Brutto / Netto einfach erklärt. Für die Schule: „Was bleibt vom Ferialjob?“
17–18+ Jahre
Vom Sparen zum Anlegen
Worum es geht
Warum Geld am Sparbuch real weniger wird (Inflation). Was ein ETF und ein Sparplan sind. Warum früh anfangen beim Zinseszins so viel ausmacht. Das erste Depot.
Die Alltagssituation
Zusammen einen kleinen Sparplan einrichten — 25 € im Monat reichen zum Üben. Im Rechner zeigen, was zehn Jahre früher anfangen am Ende ausmacht.
FinWissen
Was ist Inflation?, Was ist ein ETF?, Was ist ein Sparplan?, ETF-Sparplan-Rechner. Danach als nächste Stufe: Grundwissen.

3 Ab wann ein eigenes Konto — und ab wann ein Depot?

Das ist der Punkt, an dem sich Österreich und Deutschland unterscheiden — bei den Altersgrenzen wie bei der Steuer.

🇦🇹Österreich

Jugendkonto

  • Die meisten Banken bieten es ab 14 an, manche ab 10 — unter 14 immer mit Zustimmung der Eltern.
  • Ab 14 dürfen Jugendliche über ihr eigenes verdientes Geld frei verfügen.
  • Eltern können weiterhin Abhebe-Limits vereinbaren.
  • Mit 18 wird es automatisch ein normales Girokonto.

Depot

  • Läuft über die Eltern, auf den Namen des Kindes.
  • Die Bank behält die KESt (27,5 %) automatisch ein — einen Freibetrag wie in Deutschland gibt es nicht. Ein geplantes KESt-freies „Zukunftsdepot“ ist Stand September 2026 erst ein politischer Vorschlag, kein Gesetz.
  • Ob sich eine Veranlagung lohnt, hängt vom übrigen Einkommen des Kindes ab.
  • Familienbeihilfe: Ab dem Jahr, in dem das Kind 20 wird, zählt eigenes Einkommen über 17.212 €.

🇩🇪Deutschland

Girokonto

  • Für Kinder ab 7 möglich — auf Guthabenbasis, ohne Dispo.
  • Eröffnet wird es von den Eltern.
  • Mit 18 wird es ein normales Girokonto.

Junior-Depot

  • Nur die gesetzlichen Vertreter können es eröffnen, sie verwalten es treuhänderisch.
  • Mit Freistellungsauftrag bzw. Nichtveranlagungs-Bescheinigung bleiben Erträge bis rund 13.384 € pro Jahr steuerfrei (Grundfreibetrag 12.348 € + Sparer-Pauschbetrag 1.000 € + 36 €, Stand 2026).
  • Achtung: zu hohes eigenes Einkommen des Kindes kann die kostenlose Familienversicherung kosten.

Stand 2026. Die genauen Regeln je Bank unterscheiden sich — die Quellen am Ende des Artikels führen zu den offiziellen Stellen (OeNB, FMA, DJI, Verbraucherzentrale).

4 Taschengeld: Richtwerte für Österreich und Deutschland

Die offiziellen Empfehlungen liegen in beiden Ländern nah beieinander. Wichtiger als der genaue Betrag sind zwei Dinge: wöchentlich für jüngere Kinder (ein ganzer Monat ist zu weit weg), ab etwa 10 Jahren monatlich — und für Buben und Mädchen exakt gleich viel.

AlterGrober Richtwert
6 Jahre1,50–2 € / Woche
8 Jahre2–3 € / Woche
10 Jahre15–18 € / Monat
13 Jahre25–35 € / Monat
16 Jahre40–55 € / Monat
18 Jahre60–90 € / Monat

Grobe Richtwerte, Stand 2025/2026. Die vollständigen Tabellen: OeNB-Taschengeldleitfaden (Österreich) und Deutsches Jugendinstitut (Deutschland, zuletzt aktualisiert September 2025).

Ab etwa 14 kommt oft „Budgetgeld“ dazu: ein größerer Betrag für einen festen Zweck — Kleidung, Schulsachen, Handykosten —, den das Kind selbst einteilt. Das ist der Übergang zum echten Budget aus Abschnitt 2 des Alters-Flows.

5 Was du dir sparen kannst

Geld für gute Noten. Macht Lernen zum Bezahljob und verliert die Wirkung, sobald die Beträge nicht mitwachsen. Taschengeld und Schulleistung besser strikt trennen.

Taschengeld als Druckmittel. „Zimmer nicht aufgeräumt, kein Taschengeld“ nimmt der Übung die Verlässlichkeit. Das Kind lernt dann, Machtspiele einzuschätzen — nicht, ein Budget zu führen.

Über Aktien reden, bevor das Konto sitzt. Die Reihenfolge ist Konto → Budget → Sparen → Anlegen. Ein ETF-Sparplan ergibt für ein Kind ohne eigenes Konto und ohne Gefühl fürs Budget wenig Sinn.

Die wichtigsten Punkte

  1. Der Umgang mit Geld ist in den Grundzügen mit rund sieben Jahren angelegt — früh anfangen zählt mehr als perfekt erklären.
  2. Mitmachen schlägt erklären: selbst zahlen, selbst sparen, selbst den ersten Lohnzettel lesen.
  3. Taschengeld regelmäßig und in fester Höhe, unabhängig von Noten. Wöchentlich für Jüngere, ab etwa 10 monatlich.
  4. Jugendkonto: in Österreich meist ab 14 allein (früher mit den Eltern), in Deutschland ab 7 auf Guthabenbasis über die Eltern.
  5. Junior-Depot läuft in beiden Ländern über die Eltern — in Deutschland mit Freistellungsauftrag weitgehend steuerfrei, in Österreich mit automatischer KESt ohne Freibetrag.
  6. Reihenfolge einhalten: Konto → Budget → Sparen → Anlegen. Nicht mit dem letzten Schritt anfangen.

Quellen

Alle Inhalte und Richtwerte in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — Taschengeld-Empfehlungen sowie Konto- und Steuerregeln ändern sich. Keine Erziehungs-, Steuer- oder Anlageberatung. Siehe auch unsere finanziellen Hinweise.

Wo du weiterliest

Der Rookie-Lernpfad 20 Artikel für 13- bis 18-Jährige, aufeinander aufgebaut. Der Ort, an den du dein Kind schickst. Was jeder Jugendliche über Finanzen wissen sollte Das Pendant für dein Kind: sieben Zahlen, die vor Schul- oder Lehrbeginn sitzen sollten. Für Lehrkräfte Wenn du unterrichtest: die Rechner nach Alter sortiert und zwei fertige Unterrichtseinheiten. Alle Rechner im Überblick Brutto-Netto, Haushalt, Ferienjob, ETF-Sparplan — für die Stufen 14+ im Alters-Flow.