Zukunftsdepot für Kinder: Wie viel KESt-frei sparen wirklich bringt
Die Koalition plant ein Wertpapierdepot für Kinder ganz ohne Kapitalertragsteuer und ohne Kontogebühren bis zum 18. Geburtstag. Wir rechnen nach, was das bei realistischen Sparraten tatsächlich bringt und was an dem Vorschlag noch offen ist.
Ende August 2026 hat Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ein neues Sparprodukt für Kinder angekündigt: das Zukunftsdepot. Familienministerin Claudia Bauer verhandelt seither mit der SPÖ die Details. Der Kern: Eltern zahlen für ihr Kind in ein Wertpapierdepot ein, und bis zur Volljährigkeit fällt weder Kapitalertragsteuer (KESt) noch eine Kontoführungsgebühr an.
Wichtig vorweg: Ein Gesetz gibt es noch nicht. ÖVP und SPÖ haben sich dem Vernehmen nach grundsätzlich auf das Modell geeinigt, offene Punkte wie die Finanzierung sind zum jetzigen Zeitpunkt aber ungeklärt. Dieser Artikel ordnet ein, was der Vorschlag konkret bedeutet, rechnet die kursierende Beispielrechnung der Regierung nach und zeigt, was realistischere Sparraten bringen würden.
Was genau geplant ist
Eltern (oder auch Großeltern) zahlen laufend für das Kind ein, bis maximal 5.000 € pro Jahr.
Ausgezahlt wird das Depot erst mit der Volljährigkeit des Kindes.
Möglicher Zuschuss vom Staat, laut Familienministerin Bauer noch nicht fix vereinbart.
Angeboten werden soll das Zukunftsdepot bei teilnehmenden österreichischen Banken, auf den Namen des Kindes. Bei den Wertpapieren soll eine gewisse Auswahl an Risikostufen möglich sein, stark spekulative Produkte könnten ausgeschlossen werden. Eine Renditegarantie gibt es nicht. Für den Start des Programms rechnet die Regierung mit Kosten von rund 40 Millionen Euro pro Jahr, budgetiert für zwei Jahre.
Stand: September 2026. Das Zukunftsdepot ist Verhandlungssache zwischen ÖVP und SPÖ, kein beschlossenes Gesetz. Mindesthaltefrist, exakt erlaubte Wertpapiere und die Gegenfinanzierung stehen noch nicht fest – dazu mehr weiter unten.
Die Regierungsrechnung nachgerechnet
In der Kommunikation zum Zukunftsdepot kursiert ein Beispiel: 5.000 € Einzahlung pro Jahr, eine angenommene Rendite von 6,7 % pro Jahr, macht mit 18 Jahren rund 175.000 €. Bei normaler KESt-Pflicht wären davon rund 23.700 € an Steuer fällig geworden.
Wir haben das mit der gewöhnlichen Zinseszins-Formel für eine jährliche Einzahlung nachgerechnet (Einzahlung jeweils zu Jahresbeginn, 18 Jahre, konstante Rendite): Wir kommen auf rund 176.000 € Endsumme und rund 23.720 € KESt, die dabei anfallen würden, wenn es das Depot nicht gäbe. Die Regierungsrechnung geht sich also aus, die Differenz ist reine Rundung. Wie der Zinseszinseffekt über so einen langen Zeitraum wirkt, erklärt der Grundwissen-Artikel Zinseszins vertieft.
6,7 % pro Jahr ist eine optimistische Annahme in Höhe des langjährigen Aktienmarkt-Durchschnitts und unterstellt, dass tatsächlich 18 Jahre lang jedes Jahr das Maximum von 5.000 € eingezahlt wird. Beides ist möglich, aber für die meisten Familien nicht der Normalfall.
Was realistischere Sparraten bringen
5.000 € im Jahr sind 417 € im Monat: für die meisten Haushalte kein Betrag, der nebenbei geht. Hier vier Sparraten, jeweils mit einer vorsichtigeren (5 %) und einer optimistischeren (7 %) Renditeannahme statt der offiziellen 6,7 %:
Der Zinseszins-Effekt in einem Bild
Alle vier Kurven rechnen mit derselben Rendite von 6 % pro Jahr – nur die monatliche Sparrate unterscheidet sich. Kontostand in Euro über 18 Jahre.
| Sparrate/MonatRate | Eingezahlt (18 J.)Eingezahlt | Endsumme mit 18 (5–7 %)Endsumme | KESt-Vorteil (bei 7 %)KESt-Vorteil |
|---|---|---|---|
| 50 € | 10.800 € | 17.700–21.800 € | ~3.000 € |
| 100 € | 21.600 € | 35.400–43.700 € | ~6.100 € |
| 200 € | 43.200 € | 70.900–87.300 € | ~12.100 € |
| 417 € (Maximum) | 90.000 € | 147.700–181.900 € | ~25.300 € |
Eigene Modellrechnung, jährliche Einzahlung zu Jahresbeginn, konstante Rendite über 18 Jahre – reale Aktienmärkte schwanken deutlich stärker. Der KESt-Vorteil vergleicht mit einem heutigen Depot ohne Steuerbefreiung (27,5 % auf den Wertzuwachs). Mit dem ETF-Sparplan-Rechner lässt sich jede eigene Kombination aus Sparrate und Rendite durchspielen.
Auch bei 100 € im Monat, für viele Familien schon realistischer als das Maximum, wäre der reine KESt-Vorteil über 18 Jahre kein Kleingeld: mehrere Tausend Euro, die heute bei einem normalen Depot an Steuer fällig würden.
Der Kontogebühren-Teil ist weniger revolutionär, als er klingt
„Keine KESt und keine Kontoführungsgebühren“ klingt nach zwei Vorteilen. Der zweite ist in der Praxis der kleinere. Viele österreichische Neobroker verlangen für ETF-Sparpläne schon heute 0 € Depotgebühr, teils sogar 0 € pro Sparplan-Ausführung, unabhängig davon, ob es das Zukunftsdepot je gibt.
Wirklich etwas kosten Kontoführung und Depot noch bei klassischen Filialbanken. Rechnet man dort mit einem Beispielwert von rund 190 € im Jahr (wie im Artikel Erstes Depot eröffnen vorgerechnet), kommen über 18 Jahre knapp 3.400 € zusammen. Das lässt sich aber auch ohne neues Gesetz vermeiden, einfach durch die Wahl des Brokers. Die KESt-Befreiung dagegen gibt es bei keinem heutigen Kinderdepot in Österreich, unabhängig vom Anbieter. Sie ist der eigentliche neue Teil am Vorschlag.
Was noch offen ist
- Kein Gesetz. ÖVP und SPÖ haben sich dem Grundsatz nach geeinigt, ein Gesetzestext liegt noch nicht vor. Eröffnen kann man ein Zukunftsdepot aktuell nirgends.
- Mindesthaltefrist unklar. Ob und wie lange eingezahltes Geld gebunden ist, bevor es zur vollen Steuerbefreiung kommt, ist noch nicht kommuniziert.
- Erlaubte Wertpapiere unklar. Es ist von einer Auswahl an Risikostufen die Rede, stark spekulative Produkte könnten ausgeschlossen werden. Eine genaue Produktliste gibt es noch nicht.
- Finanzierung umstritten. Die SPÖ ist bei den Kosten kritisch, die Grünen kritisieren eine mögliche Finanzierung des Startbonus aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), der eigentlich für Familienleistungen gedacht ist.
In Deutschland gibt es kein Äquivalent
Ein staatlich gefördertes, KESt-freies Kinderdepot wie das geplante Zukunftsdepot ist bislang eine österreichische Idee. Der Grund liegt auch darin, dass Deutschland Kindern schon heute mehr steuerfreien Spielraum lässt als Österreich:
Kapitalerträge auf einem Kinderdepot werden ganz normal mit 27,5 % KESt besteuert, einen Freibetrag für Minderjährige gibt es nicht. Genau diese Lücke soll das Zukunftsdepot schließen.
Für ein Kind ohne eigenes Einkommen bleiben Kapitalerträge bis zu rund 13.384 € im Jahr steuerfrei (Grundfreibetrag 12.348 € plus Sparerpauschbetrag 1.000 € plus Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 €, Stand 2026), vorausgesetzt, die Eltern beantragen neben dem Freistellungsauftrag zusätzlich eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt.
Für die meisten Sparraten reicht die deutsche Regelung schon heute für steuerfreies Sparen. Die 27,5 % KESt ohne jeden Freibetrag sind ein Stück weit die Besonderheit, die das Zukunftsdepot in Österreich beheben soll.
Das Wichtigste in Kürze
🎯 Key Points
Quellen
- ORF.at — „Zukunftsdepot“: Startguthaben von bis zu 500 Euro angedacht (September 2026)
- Salzburg24.at — Rechenbeispiel der Bundesregierung zum Zukunftsdepot
- Bundesministerium für Finanzen (BMF) — geltende KESt-Regelungen Österreich
- Einkommensteuergesetz § 20, gesetze-im-internet.de — Sparer-Pauschbetrag Deutschland
Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt. Das Zukunftsdepot ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein politischer Vorschlag, kein geltendes Recht — die tatsächliche Ausgestaltung kann abweichen. Keine Anlage- oder Steuerberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.
