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Netzentgelte 2027: Wird dein Strom teurer?

Ab 2027 zählt in Österreich die höchste Viertelstunde deines Stromverbrauchs mit. Die Schlagzeilen sagen „Strom-Hammer“ — die Regulierungsbehörde sagt, drei von vier Haushalten zahlen künftig weniger. Beides stimmt, für unterschiedliche Haushalte.

¾Haushalte zahlen weniger
2027gilt ab 1. Jänner
9 MinLesezeit

Seit dem Sommer 2026 geistert eine Zahl durch die österreichischen Medien: Ab 2027 könne eine einzige Viertelstunde im Monat deine Stromrechnung bestimmen. „Strom-Hammer“, „wer eine Wärmepumpe hat, zahlt drauf“ — die Überschriften sind eindeutig.

Die E-Control, also die Behörde, die den Strommarkt reguliert, rechnet anders: Rund drei von vier Haushalten würden beim Netzkostenanteil künftig weniger zahlen, etwa jeder fünfte mehr. Beide Aussagen sind richtig — sie beschreiben nur verschiedene Haushalte. Dieser Artikel erklärt, was sich ändert, auf welcher Seite du wahrscheinlich stehst, und was du tun kannst, wenn du auf der teuren Seite landest.

Blaues Elektroauto lädt zu Hause an einer wandmontierten Wallbox
Eine Wallbox, die mit 11 kW lädt, ist der häufigste Grund für eine hohe Monatsspitze. Genau deshalb kommt es ab 2027 nicht mehr nur darauf an, wie viel Strom du verbrauchst, sondern wie viel gleichzeitig. Foto: Andersen EV / Pexels

Was sich ändert

Deine Stromrechnung besteht grob aus drei Teilen: dem Preis für die Energie selbst (den zahlst du an deinen Stromlieferanten), Steuern und Abgaben, und den Netzkosten — dafür, dass der Strom über Leitungen zu dir kommt. Um diesen dritten Teil geht es.

bleibt

Arbeitspreis

Ein Betrag pro verbrauchter Kilowattstunde — je mehr Strom du übers Jahr verbrauchst, desto mehr zahlst du. Das kennst du schon.

neu ab 2027

Leistungspreis

Ein Betrag pro Kilowatt deiner höchsten Viertelstunde im Monat. Nicht wie viel Strom insgesamt, sondern wie viel auf einmal.

Der Gedanke dahinter: Ein Stromnetz muss den Moment aushalten, in dem am meisten gleichzeitig fließt — nicht die Jahresmenge. Wer zu diesem Spitzenmoment beiträgt, soll künftig stärker dafür zahlen. Für Betriebe gibt es dieses Modell längst; jetzt kommt es auf die Haushaltsebene (Netzebene 7).

Der Umstieg läuft über rund drei Jahre. Zu Beginn 2027 macht der Leistungspreis etwa 30 % der Netzkosten aus, der Arbeitspreis 70 %. Am Ende soll es etwa 50 zu 50 sein. Zwei Fixposten auf der Rechnung — die monatliche Grundpauschale und das Messentgelt, zusammen rund 82,80 € im Jahr für einen typischen Haushalt — fallen dafür weg.

📅

Stand: August 2026. Die Grundsatz-Verordnung der E-Control ist seit Ende Juni in Begutachtung, die konkrete Höhe der Tarife wird eine zweite Verordnung im Herbst 2026 festlegen. Erste Richtwerte der E-Control: rund 34 € pro Kilowatt und Jahr, oberhalb von 10 kW etwa das Doppelte. Verrechnet werden mindestens 20 % der vereinbarten Leistung, mindestens aber 2 kW. Die endgültigen Beträge setzt jeder der rund 120 österreichischen Netzbetreiber selbst — Zahlen hier sind Anhaltspunkte, keine Tarife.

Die teure Viertelstunde

Der Leistungspreis richtet sich nach einem Wert pro Monat: der höchsten mittleren Leistung über eine Viertelstunde. Dein digitaler Zähler misst ohnehin in diesem Takt.

Ein Beispiel: An einem Sonntag läuft eine Viertelstunde lang der Backofen (3 kW), gleichzeitig lädt das E-Auto (11 kW) und die Wärmepumpe heizt Warmwasser (3 kW). In dieser Viertelstunde zieht der Haushalt 17 kW. Danach nie wieder in diesem Monat — trotzdem bestimmt genau diese Viertelstunde den Leistungspreis für den ganzen Monat.

💡

Merksatz: Es zählt nicht, wie viel Strom du im Monat verbrauchst, sondern wie viel gleichzeitig. Zwei Großgeräte nacheinander statt nebeneinander laufen zu lassen, kostet dich nichts — kann aber deine Monatsspitze halbieren.

Wo stehst du?

Grobe Selbsteinschätzung — drei Fragen genügen für die Richtung:

Kreuz im Kopf setzen:

Hast du eine eigene Wallbox und lädst das E-Auto zu Hause mit voller Leistung (11 kW oder mehr)?
Heizt du mit Strom — Wärmepumpe, Infrarot- oder Nachtspeicheröfen, Durchlauferhitzer?
Laufen bei dir regelmäßig mehrere Großgeräte gleichzeitig (Herd, Backofen, Trockner, Geschirrspüler zusammen)?
Kein Kreuz: Du gehörst wahrscheinlich zu den drei von vier Haushalten, die künftig etwas weniger zahlen. Die meisten Mietwohnungen liegen hier.
Ein Kreuz: Kommt auf dein Verhalten an. Wer die Last über den Tag verteilt, bleibt meist im entlasteten Bereich.
Zwei oder drei Kreuze: Ohne Gegenmaßnahmen wird es für dich eher teurer. Der nächste Abschnitt zeigt, was hilft.

Was zieht wie viel?

Damit du deine mögliche Spitze grob abschätzen kannst — Richtwerte für die Leistung, die ein Gerät im Betrieb zieht:

Gerätca. Leistung
Kühlschrank, Router, Standby zusammen (Grundlast)~0,3 kW
Wasserkocher, Föhn~2 kW
Kaffeevollautomat~1,5 kW
Geschirrspüler (Heizphase)~2 kW
Waschmaschine (Heizphase)~2 kW
Wäschetrockner~2,5 kW
Backofen~3 kW
Induktionsherd, alle Platten~7 kW
Wärmepumpe (elektrische Aufnahme)~2–4 kW
Durchlauferhitzer~18–27 kW
E-Auto-Wallbox3,7 / 11 / 22 kW

Eine typische Mietwohnung ohne Stromheizung und ohne E-Auto kommt selten über 3 bis 4 kW gleichzeitig — selbst wenn Wasserkocher und Backofen zusammen laufen. Die großen Sprünge machen Durchlauferhitzer und Wallbox.

Drei Haushalte, drei Ergebnisse

Was die Reform konkret bedeutet, hängt fast nur an der Spitze — nicht am Jahresverbrauch. Drei Beispiele (E-Control-Modellrechnungen für den Netzkostenanteil bzw. gerundete Richtwerte):

Kleine Mietwohnung
−31 %

1.800 kWh im Jahr, Spitze rund 2 kW. Kein E-Auto, keine Stromheizung. Profitiert am stärksten.

Monatsspitze ~2 kW
Haus, alles gleichzeitig
teurer

Wärmepumpe plus E-Auto, das mit 11 kW lädt, während Backofen und Trockner laufen. Einer von rund fünf Haushalten.

Monatsspitze ~17 kW
Dasselbe Haus, gesteuert
wieder im Plus

Wallbox auf 3,7 kW gedrosselt, Wärmepumpe zeitversetzt, Geräte gestaffelt. Gleicher Jahresverbrauch, deutlich niedrigere Spitze.

Monatsspitze ~7 kW

📅 Stand: August 2026 · E-Control-Beispiele, Modellrechnung, keine individuelle Prognose

Zum Vergleich: Auch ein Haushalt mit Wärmepumpe und 8.700 kWh Jahresverbrauch zahlt laut E-Control rund 12 % weniger — solange die Spitze bei etwa 7 kW bleibt und nicht durch gleichzeitiges Schnellladen nach oben schießt.

Was du dagegen tun kannst

Die Maßnahmen bauen aufeinander auf — von gratis bis teuer:

  1. Staffeln statt gleichzeitig. Trockner erst starten, wenn die Waschmaschine durch ist. Nicht kochen, während das Auto mit voller Leistung lädt. Kostet nichts und senkt die Spitze oft schon deutlich.
  2. Ladeleistung reduzieren. Ein E-Auto über Nacht mit 3,7 kW zu laden reicht für den Alltag völlig — statt 11 kW in zwei Stunden. Viele Wallboxen und Auto-Apps können das fix einstellen.
  3. Steuerung nachrüsten. Wallbox mit Lastmanagement, Wärmepumpe mit Sperrzeiten oder Pufferspeicher: Die Geräte weichen sich gegenseitig aus, ohne dass du daran denken musst.
  4. Peak Shaving mit PV-Speicher. Ein Batteriespeicher mit entsprechender Funktion begrenzt den Bezug aus dem Netz auf einen Sollwert — Verbrauchsspitzen darüber deckt die Batterie. Die netzrelevante Viertelstunde sinkt dadurch spürbar. Lohnt sich aber nur bei Eigentum und wirklich großen Lasten — für eine Mietwohnung ist das überdimensioniert.
⚠️

Nicht in Panik einen Speicher kaufen. Für die große Mehrheit der Haushalte ändert sich durch die Reform wenig bis nichts Nachteiliges — und Stufe 1 und 2 kosten keinen Cent. Erst rechnen (oder rechnen lassen), dann investieren.

In Deutschland läuft das anders

Ein Viertelstunden-Leistungspreis für normale Haushalte ist bisher eine österreichische Besonderheit. Deutschland geht einen anderen Weg:

🇦🇹 Österreich ab 2027

Leistungspreis für alle Haushalte, gemessen an der höchsten Viertelstunde im Monat. Anreiz über den Preis: Wer Spitzen vermeidet, zahlt weniger.

🇩🇪 Deutschland · § 14a EnWG

Seit 2024 nur für „steuerbare“ Geräte (Wärmepumpe, Wallbox ab 4,2 kW): Der Netzbetreiber darf sie im Engpass kurz drosseln, dafür gibt es ein reduziertes Netzentgelt. Kein Spitzenpreis für den ganzen Haushalt.

Für dich als Leser:in in Deutschland heißt das: Der „Strom-Hammer 2027″ aus den österreichischen Schlagzeilen betrifft dich nicht. Relevant wird § 14a nur, wenn du eine Wärmepumpe oder Wallbox neu anmeldest.

Das Wichtigste in Kürze

🎯 Key Points

1
Ab 2027 kommt in Österreich zum Arbeitspreis (Verbrauch) ein Leistungspreis dazu — er richtet sich nach der höchsten Viertelstunde deines Stromverbrauchs im Monat.
2
Die E-Control rechnet damit, dass rund drei von vier Haushalten beim Netzkostenanteil weniger zahlen; teurer wird es vor allem für Haushalte, die E-Auto-Laden, Stromheizung und Großgeräte gleichzeitig laufen lassen.
3
Es zählt die Gleichzeitigkeit, nicht die Jahresmenge. Geräte nacheinander statt nebeneinander laufen zu lassen, senkt die Spitze — kostenlos.
4
Wer viel Last hat: erst Verhalten und Ladeleistung anpassen, dann Steuerung, erst zuletzt an einen PV-Speicher mit Peak-Shaving denken.
5
Die genauen Tarife stehen noch nicht fest (Verordnung im Herbst 2026) und unterscheiden sich je Netzbetreiber. Die Zahlen hier sind Richtwerte, keine Prognose für deine Rechnung.

Quellen

Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — die Verordnung zur neuen Netzentgeltstruktur ist noch nicht final, und die Tarife legt jeder Netzbetreiber gesondert fest. Keine Energie- oder Rechtsberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.

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