Wie läuft ein Börsengang (IPO) ab?
Vom privaten Unternehmen zur börsennotierten Aktiengesellschaft: die fünf Phasen eines Börsengangs — und warum frisch gelistete Aktien oft eine wilde erste Fahrt hinlegen.
Was ist ein IPO?
Ein Börsengang (IPO, Initial Public Offering) ist der Moment, in dem eine Firma zum ersten Mal Aktien öffentlich verkauft und an der Börse handelbar macht. Aus einer privaten Firma wird damit ein öffentlich gehandeltes Unternehmen — jede:r kann ab diesem Zeitpunkt Anteile kaufen, nicht mehr nur ausgewählte Gründer:innen, Business Angels oder Venture-Capital-Fonds.
Der Weg dorthin dauert Monate und läuft in fünf erkennbaren Phasen ab — von der Vorbereitung mit den Investmentbanken bis zur Lock-up-Frist nach dem ersten Handelstag. Genau die schauen wir uns als Nächstes an.
Börsengang Ablauf: die fünf Phasen im Detail
Wie läuft ein IPO ab? Klick dich durch die Phasen. Jede zeigt, wer gerade was tut — und warum dieser Schritt überhaupt nötig ist.
IPO-Ablauf im Überblick
Die fünf typischen Phasen eines Börsengangs:
Die Firma entscheidet sich für den Börsengang und wählt eine oder mehrere Investmentbanken (Underwriter), die den Prozess begleiten. Diese analysieren Finanzen, Geschäftsmodell und Marktumfeld der Firma.
Es folgt eine gründliche Risikoprüfung. Die Ergebnisse fließen in den Wertpapierprospekt (in den USA „S-1“ genannt) — ein öffentliches Dokument mit allen wichtigen Finanzzahlen, Risiken und Governance-Details, das potenzielle Investor:innen vor der Zeichnung lesen können.
Investmentbanken sammeln bei institutionellen Investor:innen Kaufinteresse zu verschiedenen Preisen (oder legen bei manchen IPOs, wie z. B. SpaceX 2026, direkt einen Festpreis fest). Daraus ergibt sich der endgültige Ausgabepreis.
Die Aktie wird zum ersten Mal öffentlich gehandelt. Der erste tatsächliche Marktpreis entsteht — oft mit deutlichen Ausschlägen nach oben oder unten, weil noch keine Börsenhistorie existiert, an der sich der „faire“ Preis orientieren könnte.
In den ersten 90–180 Tagen dürfen Altaktionär:innen ihre Anteile meist nicht verkaufen. Läuft diese Frist ab, kann zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen — unabhängig davon, wie gut die Firma zu diesem Zeitpunkt eigentlich läuft.
Was ein IPO mit Bilanz und Kennzahlen macht
Ein Börsengang setzt voraus, dass die Firma bereits eine Aktiengesellschaft ist oder im Zuge des Verfahrens eine wird — die AG-Rechtsform allein bedeutet noch keine Börsennotierung, ist aber die Voraussetzung dafür. Was danach passiert, verändert direkt zwei Dinge, die du schon kennst: die Bilanz und die Kennzahlen der Firma.
Callback zur Bilanz: Beim Börsengang fließt frisches Geld von den neuen Aktionär:innen in die Firma — das erhöht direkt das Eigenkapital. Erinnerst du dich an den Bilanz-Baukasten? Genau das kannst du dort nachspielen: Schiebst du das Eigenkapital nach oben (weil neues Geld reinkommt), ohne dass sich das Fremdkapital ändert, steigt die Eigenkapitalquote automatisch — einer der Hauptgründe, warum Firmen überhaupt an die Börse gehen.
Callback zu den Kennzahlen: Vor dem Börsengang gibt es schlicht keinen Marktpreis für die Aktie — also auch kein KGV, keine Dividendenrendite im klassischen Sinn. Erst mit der Erstnotiz „entsteht“ ein echter, öffentlicher Preis, mit dem sich diese Kennzahlen überhaupt berechnen lassen. Vorher können Investmentbanken den Wert nur schätzen (Bewertungsmodelle) — der tatsächliche Marktpreis zeigt sich erst am ersten Handelstag.
Ein Begriff, der praktisch bei jedem IPO auftaucht: Die Lock-up-Frist. Altaktionär:innen (Gründer:innen, frühe Investor:innen) dürfen ihre Aktien meist 90–180 Tage nach dem Börsengang nicht verkaufen. Läuft diese Frist ab, kann plötzlich zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen — ein Grund, warum IPO-Aktien Monate nach dem Listing manchmal überraschend fallen, ganz ohne neue schlechte Nachrichten aus der Firma selbst.
Beispiel: SpaceX — der größte Börsengang aller Zeiten
Am 12. Juni 2026 ging SpaceX unter dem Ticker SPCX an die Nasdaq — mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar der größte Börsengang der Geschichte, noch vor Saudi Aramco (2019, ca. 1,7 Billionen). Der Kursverlauf danach zeigt beispielhaft genau die IPO-Volatilität, um die es in diesem Artikel geht:
Innerhalb weniger Tage stieg die Aktie um rund 67% über den Ausgabepreis — und fiel danach innerhalb weniger Wochen wieder fast auf das Ausgabeniveau zurück. Das ist kein Einzelfall, sondern ziemlich typisch: Ohne Börsenhistorie, mit extrem hohen Erwartungen und oft noch unklarer Profitabilität (SpaceX schrieb 2025 einen Nettoverlust von knapp 4,9 Mrd. Dollar) schwanken frisch gelistete Aktien besonders stark in beide Richtungen.
Wie es mit SpaceX nach dem Börsengang weiterging, lässt sich am ersten Quartalsbericht als börsennotierte Firma nachlesen — Umsatz plus 92 Prozent, und die Aktie fiel trotzdem. Wir haben ihn im Blog Zeile für Zeile auseinandergenommen: Wie liest man einen Quartalsbericht?
Die Lehre daraus: „Groß“ und „bekannt“ bedeutet nicht „risikoarm“. Gerade die spektakulärsten IPOs ziehen die meiste mediale Aufmerksamkeit und damit oft überzogene kurzfristige Erwartungen an — was den Absturz nach der ersten Euphorie wahrscheinlicher macht, nicht unwahrscheinlicher. Ein IPO ist ausdrücklich keine automatische Kaufempfehlung.
AT vs. DE: zwei sehr unterschiedlich große Kapitalmärkte
Österreich und Deutschland haben zwar dieselbe Börsenlogik, aber einen sehr unterschiedlich großen Kapitalmarkt — mit direkten Folgen dafür, wo österreichische Firmen tatsächlich an die Börse gehen.
Wiener Börse
2025 das beste Jahr ihrer Geschichte (ATX Total Return +52%), aber strukturell wenige IPOs — 2025 kein einziges klassisches Tech-/Software-Listing. Manche österreichischen Kandidaten planen ihren Börsengang sogar in Frankfurt statt Wien.
Frankfurt (Deutsche Börse)
Deutlich größerer, liquiderer Markt mit regelmäßig mehr und größeren Börsengängen pro Jahr — auch für österreichische Firmen oft die naheliegendere Wahl als der Heimatmarkt Wien.
Das erklärt auch, warum viele österreichische Anleger:innen eher breit über ETFs oder internationale Börsen investieren, statt auf heimische Neuemissionen zu warten — das Angebot an der Wiener Börse ist einfach strukturell kleiner.
Häufige Fragen zum Börsengang
Ein IPO (Initial Public Offering) ist der Börsengang einer Firma: der Moment, in dem sie zum ersten Mal Aktien öffentlich verkauft und an der Börse handelbar macht. Vorher gehört die Firma nur wenigen privaten Eigentümer:innen wie Gründer:innen oder Venture-Capital-Fonds, danach kann grundsätzlich jede:r Anteile kaufen.
Ein Börsengang läuft typischerweise in fünf Phasen ab: Vorbereitung mit Investmentbanken, Due Diligence und Prospekterstellung, Preisfindung durch Bookbuilding, die Erstnotiz mit dem ersten öffentlichen Handelstag und danach eine Lock-up-Periode, in der Altaktionär:innen ihre Anteile meist 90 bis 180 Tage lang nicht verkaufen dürfen.
Frisch gelistete Aktien schwanken oft besonders stark, weil noch keine Börsenhistorie existiert, an der sich ein fairer Preis orientieren könnte. Sowohl deutliche Kursgewinne kurz nach dem Start als auch spätere Rückgänge, etwa wenn die Lock-up-Frist ausläuft, sind üblich.
Nein. Ein Börsengang ist keine automatische Kaufempfehlung. Gerade bekannte, medial stark beachtete IPOs wecken oft überzogene kurzfristige Erwartungen, was spätere Kursrückgänge wahrscheinlicher macht. Wie bei jeder Aktie gilt: eigene Recherche vor einer Investition, keine Entscheidung allein aufgrund der Bekanntheit einer Firma.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
Börsengang auf einen Blick
📚 Quellen
- Wiener Börse — Kapitalmarktdaten und IPO-Aktivität Österreich 2025
- EY IPO Barometer — globale und europäische IPO-Statistiken
- Verschiedene Finanzmedien (Reuters-Berichte, boerse.de, onvista, investing.com) — SpaceX-IPO-Kursdaten Juni/Juli 2026
Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — insbesondere die SpaceX-Kursdaten ändern sich täglich weiter. Keine Anlageberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.
