Erstes Depot eröffnen
Worauf es wirklich ankommt: wie die Steuer in Österreich und Deutschland läuft, welche Kosten versteckt sind und wie du den ersten Sparplan ohne teure Fehler aufsetzt.
Erstes Depot eröffnen – aber erst, wenn diese Punkte stehen
Ein Depot ist ein Konto für Wertpapiere: Aktien, ETFs, Anleihen. Ohne Depot kommst du an die Börse nicht heran. Die Eröffnung dauert heute etwa eine Viertelstunde und ist online möglich. Trotzdem ist sie selten der erste Schritt, der Sinn ergibt.
Bevor Geld ins Depot fließt, sollten drei Dinge geklärt sein:
Notgroschen zuerst. Zwei bis drei Nettomonatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto, an das du jederzeit herankommst. Wer investiert und beim ersten kaputten Laptop die ETFs mit Verlust verkaufen muss, hätte besser gewartet.
Teure Schulden weg. Ein Ratenkredit oder Dispo mit 10 % Zinsen kostet dich mehr, als ein ETF-Sparplan im Schnitt bringt. Erst tilgen, dann anlegen.
Zeit im Blick. Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst (Führerschein, Kaution, Auslandssemester), gehört nicht an die Börse. Für einen breiten ETF-Sparplan solltest du gedanklich mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr rechnen.
Noch unter 18? Ein eigenes Depot bekommst du in beiden Ländern erst mit 18. Bis dahin läuft es über ein Junior-Depot, das deine Eltern für dich eröffnen und verwalten – wie das geht, steht im Artikel Wie bringe ich meinem Kind Finanzen bei?
Was ein Depot ist – und was mit deinem Geld passiert, wenn der Anbieter pleitegeht
Zu einem Depot gehören immer zwei Konten:
Das Depot
Hier liegen deine Wertpapiere. Sie sind rechtlich Sondervermögen – sie gehören dir, nicht dem Anbieter. Geht der Broker pleite, werden deine ETFs auf ein anderes Depot übertragen. Sie sind nicht Teil der Insolvenzmasse.
Das Verrechnungskonto
Ein Geldkonto, über das Käufe und Verkäufe abgewickelt werden und auf dem Dividenden landen. Das Bargeld darauf ist über die Einlagensicherung bis 100.000 € geschützt. Manche Anbieter zahlen darauf sogar Guthabenzinsen.
Neobroker arbeiten oft mit einer Partnerbank. Das Verrechnungskonto liegt dann bei einer echten Bank im Hintergrund, die Einlagensicherung greift über diese Bank. Achte bei der Eröffnung darauf, welche Bank genannt wird – falls du dort schon Guthaben hast, teilt ihr euch die 100.000-€-Grenze.
Steuer: der eigentliche Unterschied zwischen Österreich und Deutschland
Auf Kursgewinne und Dividenden zahlst du in beiden Ländern eine Abgeltungssteuer – automatisch, ohne dass du eine Steuererklärung machen musst. Wenn dein Anbieter das für dich übernimmt. Genau da liegt der Unterschied.
27,5 % KESt – und die Frage, wer sie abführt
Auf Gewinne aus Aktien und ETFs sowie auf Dividenden fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) an. Eine Behaltefrist gibt es seit 2016 nicht mehr – egal wie lange du hältst, beim Verkauf mit Gewinn wird die KESt fällig. Einen Freibetrag wie in Deutschland gibt es nicht.
Steuereinfach heißt: der Broker erledigt das
Ein steuereinfacher Broker hat einen Sitz oder eine Niederlassung in Österreich und rechnet die KESt bei jedem Verkauf und jeder Dividende automatisch ab und überweist sie ans Finanzamt. Er führt auch einen Verlustausgleichstopf pro Kalenderjahr. Für dich heißt das: keine Steuererklärung für die Wertpapiere.
Nicht steuereinfach – was dann auf dich zukommt
Bei einem ausländischen Broker ohne Österreich-Niederlassung musst du deine Kursgewinne und Dividenden selbst in der jährlichen Steuererklärung angeben – über die Beilage E1kv, versteuert mit dem besonderen Steuersatz von 27,5 %. Du musst Anschaffungskosten und Gewinne belegen, und der Verlustausgleich über mehrere Depots läuft nur über die Veranlagung – nichts davon passiert automatisch. Für den Einstieg ist ein steuereinfacher Broker deshalb die deutlich entspanntere Wahl.
Rund 26,4 % Abgeltungsteuer
Auf Kursgewinne und Dividenden fallen 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag an, zusammen etwa 26,375 % – dazu ggf. Kirchensteuer. Bei einem inländischen Depot zieht die Bank das automatisch ab und überweist es ans Finanzamt.
Freistellungsauftrag – sofort einrichten
Kapitalerträge bis 1.000 € pro Jahr (Verheiratete zusammen 2.000 €) bleiben steuerfrei – aber nur, wenn du deiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilst. Das geht in wenigen Klicks in der App und gilt rückwirkend ab dem 1. Januar des Jahres. Ohne ihn zieht die Bank auch auf kleine Beträge Steuer ab, die du dir erst über die Steuererklärung zurückholen müsstest.
Teilfreistellung bei Aktien-ETFs
Bei ETFs mit einem Aktienanteil von mindestens 51 % sind 30 % der Erträge von vornherein steuerfrei. Das rechnet die Bank automatisch ein, du musst nichts tun – gut zu wissen, damit die Abrechnung nachvollziehbar bleibt.
Steuereinfach-Status in Österreich
Kurzüberblick, keine Empfehlung. Der Status kann sich ändern – vor der Eröffnung auf der Website des Anbieters prüfen. Stand: Herbst 2026.
Trade Republic (seit April 2025), Flatex, DADAT, easybank/Hello Bank, Erste Bank / George, Bank Direkt, BAWAG, Bank Austria sowie die meisten österreichischen Filial- und Direktbanken. Der österreichische Anbieter Bitpanda ist Ende Januar 2026 mit steuereinfachem Handel echter Aktien und ETFs gestartet – 1 € pro Order, Sparpläne ohne Ausführungsgebühr.
Scalable Capital – eine Umstellung ist angekündigt, war im Herbst 2026 aber noch nicht in Kraft. Interactive Brokers und die meisten weiteren internationalen Neobroker führen ebenfalls keine österreichische KESt ab.
Der Depotwechsel innerhalb Österreichs kann Steuer auslösen. Wechselst du zwischen zwei steuereinfachen Brokern und werden die Anschaffungsdaten nicht sauber mitübertragen, behandelt der neue Broker die Papiere im Zweifel als Neuanschaffung. Bei einem Übertrag darauf achten, dass die Anschaffungskosten mitgehen.
Was ein Depot kostet – auch das, was nicht auf der Preisliste steht
Die Werbung sagt „kostenloses Depot“. Gemeint ist damit nur: keine jährliche Depotführungsgebühr. Kosten fallen trotzdem an – manche sichtbar, manche versteckt im Kurs.
Depotführung pro Jahr
Einmalkauf (eine Order)
ETF-Sparplan-Ausführung
Spread (versteckt, im Kurs)
Fremdwährung (z. B. US-Aktie)
Was ist der Spread? Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Kaufst du für 100,20 € etwas, das gerade für 100,00 € verkauft wird, sind die 0,20 € eine Kostenposition, die auf keiner Rechnung auftaucht. Bei Neobrokern mit eigenem Handelsplatz ist der Spread größer als an der Börse Xetra – besonders abends und am Wochenende, wenn die Börse geschlossen ist.
Beispiel: 200 € monatlicher ETF-Sparplan + 4 Einmalkäufe à 500 € im Jahr
- Neobroker: Sparplan 0 €, 4 Orders à 1 € = 4 €, geschätzter Spread auf das gehandelte Volumen ca. 5–15 € → rund 10–20 € im Jahr
- Direktbank: Sparplan 0 € (Aktions-ETF), 4 Orders à ca. 6 € + Xetra-Entgelt → rund 25–35 € im Jahr
- Filialbank: Depotgebühr ca. 30 €, Sparplan 2,5 % von 2.400 € = 60 €, 4 Orders à ca. 25 € = 100 € → rund 190 € im Jahr
Die laufenden Fondskosten kommen noch dazu. Jeder ETF hat eine jährliche Gebühr, die TER. Sie wird direkt im Fonds abgezogen und taucht nicht auf deiner Depotabrechnung auf – wie du sie vergleichst, steht in ETFs vergleichen.
Den ersten Sparplan einrichten
Für die meisten ist ein ETF-Sparplan der sinnvollste Einstieg: Du legst einen Betrag und einen Ausführungstag fest, und der Broker kauft automatisch nach – ob die Kurse gerade hoch oder niedrig stehen, spielt langfristig kaum eine Rolle.
- Rate: viele Broker fangen bei 1 € an. Wichtiger als die Höhe ist, dass die Rate auch in einem knappen Monat stehen bleibt.
- Ausführungstag: am besten kurz nach dem Gehaltseingang, damit das Geld sicher da ist.
- Kosten pro Ausführung: bei kleinen Raten fällt eine fixe Sparplangebühr stark ins Gewicht. 2,50 € auf eine 25-€-Rate sind 10 %. Nur Sparpläne wählen, die 0 € kosten oder einen sehr kleinen Prozentsatz.
- Thesaurierend oder ausschüttend: beides ist in Ordnung. Ausschüttende ETFs helfen in Deutschland, den Freibetrag Jahr für Jahr zu füllen; thesaurierende ersparen dir das Wiederanlegen.
Danach: nichts tun. Ein Sparplan wirkt über Jahre. Täglich in die App zu schauen, bringt nichts außer schlechter Laune bei roten Kursen.
Der erste Kauf – zwei Dinge, die Anfänger Geld kosten
Limit-Order statt Market-Order. Eine Market-Order kauft zum nächsten verfügbaren Kurs – der kann vom angezeigten abweichen. Mit einer Limit-Order legst du einen Höchstpreis fest und zahlst nie mehr als geplant. Für den ersten Kauf die sichere Wahl.
Während der Börsenzeiten handeln. Die Börse Xetra hat werktags von 9:00 bis 17:30 geöffnet. In diesem Fenster ist der Spread am kleinsten. Abends und am Wochenende handelst du nur über den Handelsplatz des Brokers, mit größerem Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Die App will, dass du handelst. Push-Nachrichten zu einzelnen Aktien, Krypto-Kacheln auf der Startseite, „Anleger kauften auch“-Listen – all das ist darauf ausgelegt, dass du oft kaufst und verkaufst. Jeder Trade kostet Spread, und häufiges Umschichten schlägt statistisch keinen breiten Sparplan. Dein Plan ist der ETF-Sparplan, nicht die Kachel.
Startklar? Die Checkliste
Was du für die Eröffnung brauchst
Zum Abhaken. Wird nirgends gespeichert – lädst du die Seite neu, ist die Liste wieder leer.
Die Broker-Wahl ist nicht endgültig
Ein häufiger Grund, den Start ewig aufzuschieben, ist die Angst, sich für den falschen Anbieter zu entscheiden. Das ist selten ein echtes Problem: Ein Depotübertrag ist in der Regel kostenlos, deine Wertpapiere wandern dabei ohne Verkauf zum neuen Anbieter. Der Wechsel dauert ein paar Wochen und lässt sich jederzeit machen, wenn ein anderer Broker günstiger wird oder besser passt.
Wichtiger als die perfekte Wahl ist, überhaupt anzufangen – mit einem Anbieter, der die zwei Grundbedingungen erfüllt: in Österreich steuereinfach, in beiden Ländern ein ETF-Sparplan ohne oder mit minimaler Gebühr.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
Erstes Depot eröffnen – auf einen Blick
📚 Quellen
- Bundesministerium für Finanzen (BMF) – Kapitalertragsteuer auf Wertpapiere, steuereinfache und nicht steuereinfache Depotstellen, Beilage E1kv (AT)
- oesterreich.gv.at – Wertpapiere und Steuern, Verlustausgleich
- Bundesministerium der Finanzen – Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag und Freistellungsauftrag (DE)
- BaFin – Wertpapierdepot, Sondervermögen, Anlegerschutz
- Deutsche Bundesbank / Entschädigungseinrichtung deutscher Banken – gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 €
- Deutsche Börse – Handelszeiten Xetra
Alle Angaben in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, sind aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Broker-Konditionen, der Steuereinfach-Status einzelner Anbieter sowie Steuersätze und Freibeträge können sich kurzfristig ändern. Keine Anlage- oder Steuerberatung – siehe auch unsere finanziellen Hinweise.
