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Börsengang (IPO) — was passiert dabei?

Vom privaten Unternehmen zur börsennotierten Aktiengesellschaft — und warum frisch gelistete Aktien oft eine wilde erste Fahrt hinlegen.

11 MinLesezeit
5IPO-Phasen
AT+DEKapitalmarkt

Das ist der letzte Artikel im Block „Firmen verstehen“ — und er führt eigentlich alles zusammen, was du bisher gelernt hast. Ein Börsengang (IPO, Initial Public Offering) ist der Moment, in dem eine Firma zum ersten Mal Aktien öffentlich verkauft und an der Börse handelbar macht.

Damit das überhaupt möglich ist, muss die Firma zuerst eine Aktiengesellschaft sein oder werden — reine AG-Rechtsform bedeutet zwar noch keine Börsennotierung, ist aber die Voraussetzung dafür. Und was danach passiert, verändert direkt zwei Dinge, die du schon kennst: die Bilanz und die Kennzahlen der Firma.

Der Ablauf: von privat zu börsennotiert

Ein Börsengang läuft in der Praxis über Monate, meist in fünf erkennbaren Phasen. Klick dich durch:

IPO-Ablauf im Überblick

Die fünf typischen Phasen eines Börsengangs:

Was ein IPO mit Bilanz und Kennzahlen macht

Callback zur Bilanz: Beim Börsengang fließt frisches Geld von den neuen Aktionär:innen in die Firma — das erhöht direkt das Eigenkapital. Erinnerst du dich an den Bilanz-Baukasten? Genau das kannst du dort nachspielen: Schiebst du das Eigenkapital nach oben (weil neues Geld reinkommt), ohne dass sich das Fremdkapital ändert, steigt die Eigenkapitalquote automatisch — einer der Hauptgründe, warum Firmen überhaupt an die Börse gehen.

Callback zu den Kennzahlen: Vor dem Börsengang gibt es schlicht keinen Marktpreis für die Aktie — also auch kein KGV, keine Dividendenrendite im klassischen Sinn. Erst mit der Erstnotiz „entsteht“ ein echter, öffentlicher Preis, mit dem sich diese Kennzahlen überhaupt berechnen lassen. Vorher können Investmentbanken den Wert nur schätzen (Bewertungsmodelle) — der tatsächliche Marktpreis zeigt sich erst am ersten Handelstag.

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Ein Begriff, der praktisch bei jedem IPO auftaucht: Die Lock-up-Frist. Altaktionär:innen (Gründer:innen, frühe Investor:innen) dürfen ihre Aktien meist 90–180 Tage nach dem Börsengang nicht verkaufen. Läuft diese Frist ab, kann plötzlich zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen — ein Grund, warum IPO-Aktien Monate nach dem Listing manchmal überraschend fallen, ganz ohne neue schlechte Nachrichten aus der Firma selbst.

Reality-Check: Der größte Börsengang aller Zeiten

Am 12. Juni 2026 ging SpaceX unter dem Ticker SPCX an die Nasdaq — mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar der größte Börsengang der Geschichte, noch vor Saudi Aramco (2019, ca. 1,7 Billionen). Der Kursverlauf danach zeigt beispielhaft genau die IPO-Volatilität, um die es in diesem Artikel geht:

Ausgabepreis
135 $
Hoch (16.06.)
225,64 $
Tief (20.07.)
119,68 $
Bewegung vom Hoch
≈ −47%

Innerhalb weniger Tage stieg die Aktie um rund 67% über den Ausgabepreis — und fiel danach innerhalb weniger Wochen wieder fast auf das Ausgabeniveau zurück. Das ist kein Einzelfall, sondern ziemlich typisch: Ohne Börsenhistorie, mit extrem hohen Erwartungen und oft noch unklarer Profitabilität (SpaceX schrieb 2025 einen Nettoverlust von knapp 4,9 Mrd. Dollar) schwanken frisch gelistete Aktien besonders stark in beide Richtungen.

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Die Lehre daraus: „Groß“ und „bekannt“ bedeutet nicht „risikoarm“. Gerade die spektakulärsten IPOs ziehen die meiste mediale Aufmerksamkeit und damit oft überzogene kurzfristige Erwartungen an — was den Absturz nach der ersten Euphorie wahrscheinlicher macht, nicht unwahrscheinlicher. Ein IPO ist ausdrücklich keine automatische Kaufempfehlung.

AT vs. DE: zwei sehr unterschiedlich große Kapitalmärkte

Österreich und Deutschland haben zwar dieselbe Börsenlogik, aber einen sehr unterschiedlich großen Kapitalmarkt — mit direkten Folgen dafür, wo österreichische Firmen tatsächlich an die Börse gehen.

🇦🇹

Wiener Börse

2025 das beste Jahr ihrer Geschichte (ATX Total Return +52%), aber strukturell wenige IPOs — 2025 kein einziges klassisches Tech-/Software-Listing. Manche österreichischen Kandidaten planen ihren Börsengang sogar in Frankfurt statt Wien.

🇩🇪

Frankfurt (Deutsche Börse)

Deutlich größerer, liquiderer Markt mit regelmäßig mehr und größeren Börsengängen pro Jahr — auch für österreichische Firmen oft die naheliegendere Wahl als der Heimatmarkt Wien.

Das erklärt auch, warum viele österreichische Anleger:innen eher breit über ETFs oder internationale Börsen investieren, statt auf heimische Neuemissionen zu warten — das Angebot an der Wiener Börse ist einfach strukturell kleiner.

✅ Das Wichtigste zusammengefasst

Börsengang auf einen Blick

1
Ein IPO läuft in fünf Phasen ab: Vorbereitung, Due Diligence/Prospekt, Preisfindung, Erstnotiz, Lock-up-Periode danach
2
Ein Börsengang erhöht direkt die Eigenkapitalquote einer Firma — neues Geld von Aktionär:innen fließt als Eigenkapital rein
3
KGV und Dividendenrendite gibt es erst ab dem Moment, in dem ein echter Marktpreis existiert — also erst ab der Erstnotiz
4
Die Lock-up-Frist kann Monate nach dem IPO zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen, auch ohne neue schlechte Nachrichten
5
Frisch gelistete Aktien schwanken oft besonders stark — „groß“ und „bekannt“ heißt nicht „risikoarm“
6
Die Wiener Börse ist strukturell viel kleiner als Frankfurt — manche AT-Firmen gehen deshalb lieber dort an die Börse

📚 Quellen

  • Wiener Börse — Kapitalmarktdaten und IPO-Aktivität Österreich 2025
  • EY IPO Barometer — globale und europäische IPO-Statistiken
  • Verschiedene Finanzmedien (Reuters-Berichte, boerse.de, onvista, investing.com) — SpaceX-IPO-Kursdaten Juni/Juli 2026

Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — insbesondere die SpaceX-Kursdaten ändern sich täglich weiter. Keine Anlageberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.

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