Welche Firmenformen gibt es überhaupt?
Einzelunternehmen, GmbH, FlexCo oder doch eine KG? Die Rechtsform entscheidet über Haftung, Kapitalbedarf und Steuern — und zwar bevor du auch nur einen Euro Umsatz machst.
Die erste Entscheidung, bevor es überhaupt losgeht
In Was ist eine Aktiengesellschaft? ging es um die AG aus der Anleger-Perspektive — wie so eine Firma von außen aufgebaut ist, wenn du in sie investierst. Hier drehen wir die Perspektive um: Du willst selbst ein Unternehmen gründen. Und noch bevor du ein Produkt verkaufst, musst du eine Rechtsform wählen — sie entscheidet, wie du haftest, wie viel Startkapital du brauchst und wie dein Gewinn versteuert wird.
Warum das keine Formalie ist: Haftest du bei einem Einzelunternehmen mit deinem gesamten Privatvermögen, bleibt bei einer GmbH im Normalfall nur das Firmenvermögen im Risiko. Der Unterschied wird erst dann konkret, wenn ein Geschäft schiefgeht — dann ist es zu spät, die Rechtsform noch zu wechseln.
Grob unterscheidet man zwei große Gruppen: Personengesellschaften (du und dein Vermögen sind eng mit der Firma verbunden) und Kapitalgesellschaften (die Firma ist rechtlich weitgehend von dir getrennt). Österreich und Deutschland kennen dabei teils unterschiedliche Formen — und seit 2024 sind einige Unterschiede sogar neu entstanden.
🇦🇹 Personengesellschaften in Österreich
Hier bist du (oder ihr gemeinsam) eng mit der Firma verbunden — Gründung ist meist einfach und schnell, dafür haftest du in den meisten Fällen unbeschränkt.
Einzelunternehmen Unbeschränkt
Du gründest allein, kein Gesellschaftsvertrag nötig — das Einzelunternehmen entsteht einfach mit Aufnahme deiner Tätigkeit (die Gewerbeanmeldung selbst ist ein eigener Schritt, dazu mehr im nächsten Artikel). Du haftest mit deinem gesamten Vermögen, privat wie geschäftlich.
GesbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) Unbeschränkt
Mindestens zwei Personen, formfrei gründbar — sogar mündlich. Wichtig: Die GesbR selbst ist nicht rechtsfähig, sie kann also nicht selbst Eigentümerin sein oder klagen — das können nur die Gesellschafter:innen gemeinsam. Alle haften gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen.
OG (Offene Gesellschaft) Unbeschränkt
Braucht einen Gesellschaftsvertrag und eine Eintragung ins Firmenbuch — dafür ist die OG (anders als die GesbR) selbst rechtsfähig. Alle Gesellschafter:innen haften weiterhin unbeschränkt und persönlich.
KG (Kommanditgesellschaft) Gemischt
Wie die OG, aber mit zwei Rollen: mindestens ein Komplementär haftet unbeschränkt und führt die Geschäfte, mindestens ein Kommanditist haftet nur mit der im Firmenbuch eingetragenen Haftungssumme. Praktisch, wenn jemand Kapital einbringt, ohne das volle Risiko zu tragen.
🇩🇪 Personengesellschaften in Deutschland
Hier bist du (oder ihr gemeinsam) eng mit der Firma verbunden — Gründung ist meist einfach und schnell, dafür haftest du in den meisten Fällen unbeschränkt.
Einzelunternehmen Unbeschränkt
Genau wie in Österreich: keine besondere Gründungsform nötig, du haftest mit deinem gesamten Vermögen, privat wie geschäftlich.
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) Unbeschränkt
Mindestens zwei Personen, formfrei gründbar. Seit der MoPeG-Reform am 1.1.2024 ist die GbR — anders als die österreichische GesbR — rechtsfähig: Sie kann selbst Verträge schließen und Eigentum halten, und sich freiwillig als „eGbR“ ins Gesellschaftsregister eintragen lassen. An der Haftung ändert das nichts: Alle Gesellschafter:innen haften weiterhin unbeschränkt und persönlich.
OHG (Offene Handelsgesellschaft) Unbeschränkt
Braucht eine Eintragung ins Handelsregister. Alle Gesellschafter:innen haften unbeschränkt und persönlich, auch für Fehler der anderen (§ 105 HGB).
KG (Kommanditgesellschaft) Gemischt
Wie in Österreich: mindestens ein unbeschränkt haftender Komplementär, mindestens ein Kommanditist, der nur mit seiner Hafteinlage haftet.
GesbR vs. GbR — seit 2024 kein Zwilling mehr: Beide waren lange praktisch dasselbe Konzept mit anderem Namen. Seit die deutsche GbR 2024 Rechtsfähigkeit bekommen hat, ist das nicht mehr ganz richtig — die österreichische GesbR blieb bei ihrer eigenen Reform 2015 ohne diesen Schritt. Die Haftung selbst ist in beiden Ländern gleich unbeschränkt, der Unterschied liegt darin, ob die Gesellschaft selbst (statt nur ihre Mitglieder) rechtlich handeln kann.
🇦🇹 Kapitalgesellschaften in Österreich
Hier ist die Firma rechtlich von dir getrennt — im Normalfall haftet nur das Gesellschaftsvermögen, nicht dein Privatvermögen. Dafür brauchst du Startkapital und mehr Formalitäten.
GmbH Beschränkt
Seit 1.1.2024 (GesRÄG 2023) einheitlich 10.000 € Mindeststammkapital, davon musst du mindestens 5.000 € bar einzahlen. Vorher lag die Grenze bei 35.000 € — die alte „Gründungsprivilegierung“ mit vorübergehend 10.000 € ist damit überflüssig geworden, weil 10.000 € jetzt ohnehin die reguläre Grenze ist. Dieses Stammkapital taucht später übrigens als Teil des Eigenkapitals in der Bilanz wieder auf (siehe Jahresbericht & Bilanz lesen).
FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft) Beschränkt
Ganz neu seit 1.1.2024: die dritte Kapitalgesellschaftsform neben GmbH und AG, gezielt für Start-ups gemacht. Gleiches Mindestkapital wie die GmbH (10.000 €), aber mit AG-ähnlichen Extras: Geschäftsanteile mit und ohne Stimmrecht, echte Mitarbeiterbeteiligung über eigene Unternehmenswert-Anteile, schriftliche Beschlussfassung ohne Zustimmung aller. Bereits knapp 800 FlexCos wurden 2024 gegründet.
Wer später an die Börse will, braucht ohnehin eine AG — Aufbau, Organe und Aktionärsrechte haben wir schon in Was ist eine Aktiengesellschaft? behandelt, hier wiederholen wir das nicht.
🇩🇪 Kapitalgesellschaften in Deutschland
Hier ist die Firma rechtlich von dir getrennt — im Normalfall haftet nur das Gesellschaftsvermögen, nicht dein Privatvermögen. Dafür brauchst du Startkapital und mehr Formalitäten.
GmbH Beschränkt
25.000 € Stammkapital (§ 5 GmbHG). In der Praxis reicht für die Anmeldung oft die hälftige Bareinzahlung von 12.500 €, wenn der Rest im Gesellschaftsvertrag zugesagt ist. Auch dieses Kapital erscheint später als Teil des Eigenkapitals in der Bilanz (siehe Jahresbericht & Bilanz lesen).
UG (haftungsbeschränkt) Beschränkt
Die „Mini-GmbH“: gründbar schon ab 1 € Stammkapital (§ 5a GmbHG). Der Haken: Du musst mindestens 25 % des Jahresüberschusses zurücklegen, bis 25.000 € erreicht sind — dann kannst du in eine reguläre GmbH umwandeln. Ein Einstieg mit wenig Kapital, kein Dauerzustand.
Wer später an die Börse will, braucht ohnehin eine AG — Aufbau, Organe und Aktionärsrechte haben wir schon in Was ist eine Aktiengesellschaft? behandelt, hier wiederholen wir das nicht.
Der Zeitversatz, den kaum jemand kennt: Österreichs FlexCo läuft seit 2024 live, mit knapp 800 Gründungen allein im ersten Jahr. Deutschlands ungefähres Pendant für Start-ups, die „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ (GmgV), existiert Stand 2026 nur als Rahmenkonzept von Bundesjustiz- und Bundesfinanzministerium — laut den Ministerien selbst ein „nicht mit der Bundesregierung abgestimmter Diskussionsvorschlag“, vorgelegt erst am 4.3.2026. Bis daraus ein echter Gesetzentwurf, eine Regierungsabstimmung und ein fertiges Gesetz werden, dürfte es noch Jahre dauern. Wichtig zur Einordnung: Die GmgV zielt eigentlich auf etwas anderes ab als die FlexCo (dauerhaft gebundenes, nicht entnehmbares Vermögen statt Kapitalflexibilität für Investor:innen) — als reiner „wer ist schneller“-Vergleich bei einer neuen Start-up-Rechtsform ist der Zeitunterschied trotzdem bemerkenswert.
📐 Die Haftungs-Skala auf einen Blick
Alle Rechtsformen lassen sich auf einer Skala zwischen „du haftest mit allem, was du besitzt“ und „nur die Firma haftet“ einordnen.
GesbR
OG
(nur Kommanditist)
FlexCo
GbR
OHG
(nur Kommanditist)
UG
Auch bei „beschränkter“ Haftung gilt: Geschäftsführer:innen können bei groben Pflichtverletzungen (z. B. Insolvenzverschleppung) trotzdem persönlich haften — beschränkte Haftung ist kein Freibrief.
🧭 Rechtsform-Finder
Beantworte drei Fragen und sieh, welche Rechtsformen zu deiner Situation grundsätzlich passen könnten.
Keine Empfehlung, auch nicht über die Fragen unten: Dieser Artikel vermittelt Grundwissen — er sagt dir, welche Rechtsformen es gibt und wie sie grob funktionieren, aber nicht, welche für deinen konkreten Fall die richtige ist. Sprich vor jeder Gründung unbedingt mit einer Steuerberatung oder dem Gründungsservice (WKO in Österreich, IHK in Deutschland) — Rechtsform-Wahl hängt von Details ab, die ein Fragebogen nicht abbilden kann.
Welche Rechtsformen kommen grundsätzlich infrage?
Die Einschätzung passt sich automatisch an, welches Land du oben ausgewählt hast.
Diese Fragen und Antworten sind Grundwissen zum Nachdenken, keine Rechts- oder Steuerberatung und keine Empfehlung für deinen Fall. Sprich vor jeder Gründung mit einer Steuerberatung oder dem Gründungsservice (WKO/IHK) — nur dort fließen die Details ein, die hier fehlen.
➡️ Und was ist mit der Steuer?
Die Rechtsform ist nur die halbe Entscheidung — die andere Hälfte ist, wie dein Gewinn versteuert wird und ob du überhaupt umsatzsteuerpflichtig bist. Ein Vorgeschmack:
Kleinunternehmerregelung — Vorsicht beim Ländervergleich: Österreich erlaubt seit 2025 bis zu 55.000 € Jahresumsatz brutto ohne Umsatzsteuerpflicht (10 % Toleranzgrenze bis 60.500 €). Deutschland liegt seit 2025 bei 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € laufendem Jahr, aber jeweils netto gerechnet. Die Zahlen sind wegen brutto/netto nicht direkt vergleichbar — ein 1:1-Vergleich der reinen Beträge würde in die Irre führen.
Wie die Kleinunternehmerregelung im Detail funktioniert und wann sie sich lohnt, behandeln wir ausführlich im nächsten Artikel dieser Reihe.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
Firmenformen auf einen Blick
Quellen
- Wirtschaftskammer Österreich (WKO) — GmbH-Mindeststammkapital, Stand 2026
- Wirtschaftskammer Österreich (WKO) — Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo/FlexKapG)
- RIS — Rechtsinformationssystem des Bundes — § 1175 ABGB, GesbR
- Bundesministerium der Justiz — Gesetze im Internet — § 5 und § 5a GmbHG (Stammkapital, UG)
- Bundesministerium der Justiz — Gesetze im Internet — § 105 HGB, OHG
- Bundesministerium der Justiz (Deutschland, BMJV) — Rahmenkonzept Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmgV), März 2026
- USP.gv.at (Unternehmensserviceportal) — Kleinunternehmergrenze Österreich
- Bundesministerium der Justiz — Gesetze im Internet — § 19 UStG, Kleinunternehmerregelung Deutschland
Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — Gesellschaftsrecht kann sich ändern. Keine Rechts- oder Steuerberatung und keine Empfehlung für deinen konkreten Fall (auch nicht über den Rechtsform-Finder) — sprich vor jeder Gründung mit einer Steuerberatung oder dem Gründungsservice (WKO/IHK), siehe auch unsere finanziellen Hinweise.