Blog · Kredit & Ratenkauf

Verbraucherkreditgesetz 2026: Was sich bei Klarna & Ratenkauf ändert

Ab 20. November 2026 gelten in Österreich und Deutschland neue Kreditregeln, ausgelöst durch dieselbe EU-Richtlinie. Hier steht, was im Gesetz nachweisbar drinsteht und was heute noch niemand sicher sagen kann.

20.11.gilt ab 2026
AT+DEbeide Länder
8 MinLesezeit

„Strengere Regeln für Verbraucherkredite kommen ab 20. November“: So lautet die Schlagzeile, die gerade durch die österreichischen Medien geht. Sie stimmt. Nur sagt sie wenig darüber, was sich konkret ändert und für wen.

Dieser Beitrag geht deshalb an den Gesetzestext: das Verbraucherkreditgesetz 2026 in Österreich (BGBl. I Nr. 36/2026) und das Umsetzungsgesetz in Deutschland (BGBl. 2026 I Nr. 139). Beide setzen die EU-Richtlinie 2023/2225 um und treten am selben Tag in Kraft. Wir trennen dabei durchgehend zwei Dinge. Gesichert ist, was im Gesetz steht. Offen ist, was erst die Praxis zeigt oder sich aus dem Text nicht ableiten lässt.

Person zahlt online mit Kreditkarte am Laptop, Smartphone und Brille liegen daneben
Ob ein Zahlungsaufschub im Checkout unter das neue Kreditrecht fällt, hängt davon ab, wer ihn anbietet. Genau diese Frage entscheidet sich an den Ausnahmen im Gesetz. Foto: Leeloo The First / Pexels
✅ Gesichert (steht im Gesetz)
  • Die 200-€-Grenze fällt weg, auch Kleinstkredite und zinsfreie Zahlungsaufschübe zählen mit
  • Vor jedem Kredit eine Prüfung, ob du zahlen kannst. Fällt sie negativ aus, gibt es keinen Kredit
  • Werbung braucht in Österreich den Warnhinweis „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“
  • Rücktritt binnen 14 Tagen, bei fehlenden Infos höchstens 12 Monate und 14 Tage
  • Verträge vor dem Stichtag laufen nach altem Recht weiter (AT)
❓ Noch offen
  • Wie Klarna, PayPal & Co. ihre Produkte anpassen
  • Wie streng die Prüfung bei kleinen Beträgen in der Praxis wird
  • Ob es im Handel weniger Ratenkauf gibt
  • Ob und wie Zinsen künftig gedeckelt werden
  • Deutsche Details wie Strafen und Übergangsregeln (von uns nicht geprüft)

📅 Stand: 21. September 2026 · Gesetzestexte sind beschlossen und veröffentlicht, gelten aber erst ab 20. November 2026

Was gilt für dich? Österreich oder Deutschland

Beide Länder setzen dieselbe EU-Richtlinie um, jedes mit einem eigenen Gesetz. Der Kern ist gleich. Wähle dein Land, dann siehst du die Punkte so, wie sie dort gelten. Unter jedem Punkt steht die Quelle. Für Österreich haben wir den Gesetzestext ausgewertet, für Deutschland stützen wir uns auf die Bundesregierung und Fachkanzleien.

🇦🇹Österreich: Verbraucherkreditgesetz 2026

✅ Gesichert (Gesetzestext ausgewertet)

Gesetz und Stichtag

Eigenes Gesetz: Verbraucherkreditgesetz 2026 (VKrG 2026), BGBl. I Nr. 36/2026, kundgemacht am 10. Juni 2026. Es ersetzt das Gesetz von 2010 und gilt ab 20. November 2026.

Gesetzestext, oesterreich.gv.at
Keine 200-€-Untergrenze mehr

Bisher blieben Kredite unter 200 € außerhalb des Verbraucherkreditrechts. Der Anwendungsbereich nennt keine Betragsgrenze mehr. Zins- und gebührenfreie Zahlungsaufschübe wie „Buy Now, Pay Later“ zählen grundsätzlich mit.

§ 6, § 39
Prüfung vor dem Kredit

Vor Vertragsabschluss muss der Kreditgeber eingehend prüfen, ob du zurückzahlen kannst, anhand von Einkommen und Ausgaben, im angemessenen Verhältnis zu Art, Laufzeit, Höhe und Risiko. Einen Kredit darf er nur vergeben, wenn wahrscheinlich ist, dass du wie vereinbart zahlst. Eine bloße Warnung reicht nicht mehr. Soziale Netzwerke zählen nicht als Quelle. Bei Ablehnung wirst du unverzüglich informiert, bei automatischer Prüfung kannst du verlangen, dass eine Person eingreift.

§ 17 Abs. 1, 2, 5, 6, 8
Werbung, Kopplung, unbestellte Kredite

Kreditwerbung braucht den Warnhinweis „Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“. Kredite ohne deine Anforderung und ausdrückliche Zustimmung sind verboten. Kopplungsgeschäfte, bei denen du einen Kredit nur im Paket mit anderen Finanzprodukten bekommst, sind grundsätzlich unzulässig. Vorangekreuzte Kästchen gelten nicht als Zustimmung.

§ 7, 8, 14, 15
Rücktritt

14 Tage ohne Angabe von Gründen. Fehlen Pflichtinformationen, endet die Frist spätestens 12 Monate und 14 Tage nach Abschluss. Wurdest du gar nicht über das Rücktrittsrecht belehrt, gilt diese Obergrenze nicht.

§ 25
Nachsicht bei Zahlungsproblemen

Kreditgeber müssen angemessene Nachsicht walten lassen, bevor sie Zwangsvollstreckung einleiten, etwa mit längerer Laufzeit, ausgesetzten Raten oder niedrigerem Zinssatz. Sie müssen dich außerdem über Schuldnerberatung informieren.

§ 31
Strafen

Verstöße sind Verwaltungsübertretungen mit einer Geldstrafe bis zu 10.000 €.

§ 44
Altverträge

Das Gesetz gilt nur für Kreditverträge, die nach dem 19. November 2026 geschlossen werden. Einzelne Regeln erfassen auch laufende unbefristete Verträge.

§ 45

Was weiterhin nicht darunter fällt

„Alles, was nach Ratenkauf aussieht, ist ab November ein Kredit“ wäre zu viel gesagt. § 39 Abs. 2 nimmt drei Fälle ausdrücklich aus:

Ausnahme 1
Rechnung beim Händler

Der Händler stundet selbst, kein Dritter bietet den Kredit an, keine Zinsen und Gebühren (nur die üblichen Verzugskosten), Zahlung binnen 50 Tagen. Große Online-Händler dürfen nur 14 Tage stunden und die Forderung nicht an Dritte weitergeben.

Ausnahme 2
Debitkarte mit Aufschub

Von Bank oder Zahlungsinstitut, Rückzahlung binnen 40 Tagen, keine Zinsen, nur geringe Gebühren.

Ausnahme 3
Laufende Leistungen

Verträge über wiederkehrende Dienstleistungen oder Lieferungen gleicher Art, bei denen du während der Laufzeit Teilzahlungen leistest, etwa ein Abo.

🏠

Nicht in diesem Gesetz geregelt sind außerdem Kredite, die durch eine Immobilie besichert oder für deren Kauf bestimmt sind (§ 6). Für Wohnkredite gelten eigene Regeln.

Und Klarna?

Klarna „Später bezahlen“, PayPal „Zahlung in 30 Tagen“, Ratenzahlung im Checkout: Genau hier lohnt der Blick auf die Händler-Ausnahme. Sie gilt nur, wenn der Händler selbst stundet und ohne dass ein Dritter einen Kredit anbietet (§ 39 Abs. 2 Z 3). Bei Klarna und PayPal steht ein Dritter dazwischen: Er zahlt den Händler aus und fordert das Geld von dir.

✅ gesichert

Der Wortlaut der Ausnahme

Die Ausnahme setzt voraus, dass kein Dritter den Kredit anbietet. Nach diesem Wortlaut spricht viel dafür, dass Angebote von Zahlungsdienstleistern auch dann erfasst sind, wenn sie zinsfrei sind.

🇩🇪Deutschland: Änderungen im BGB

✅ Gesichert (Bundesregierung, Fachkanzlei)

Gesetz und Stichtag

Änderungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139 vom 18. Mai 2026. Gilt ab 20. November 2026.

Bundesgesetzblatt, Bundesregierung
Keine 200-€-Untergrenze mehr

Kleinkredite bis 200 €, zins- und gebührenfreie Kredite, Kredite mit einer Laufzeit bis zu drei Monaten und „Buy Now, Pay Later“ sind erfasst.

Bundesregierung
Prüfung vor dem Kredit

Maßstab ist künftig, dass du wahrscheinlich zahlungsfähig bist, statt bisher „keine ernsthaften Zweifel“. Bei automatisierter Prüfung hast du ein Recht auf menschliche Überprüfung.

Bundesregierung, Fachkanzlei
Widerruf

Das „ewige“ Widerrufsrecht endet: Bei fehlerhaften Informationen läuft die Frist höchstens 12 Monate und 14 Tage.

Bundesregierung
Nachsicht bei Zahlungsproblemen

Kreditgeber müssen vor der Vollstreckung angemessene Entlastungsmaßnahmen versuchen.

Fachkanzlei
Vertragsform

Für normale Verbraucherdarlehen genügt künftig die Textform, Papier und Unterschrift sind nicht mehr nötig.

Bundesregierung

Was weiterhin nicht darunter fällt

📅

Nach Angaben von Fachkanzleien gelten dieselben Grenzen wie in Österreich: Kauf auf Rechnung beim Händler bis 50 Tage (große Online-Händler nur 14), Debitkarte mit Zahlungsaufschub bis 40 Tage. Die Debitkarten-Ausnahme hat der Bundestag aufgenommen. Den Gesetzestext dazu haben wir nicht selbst ausgewertet.

Und Klarna?

✅ gesichert

„Buy Now, Pay Later“ ist ausdrücklich erfasst

Die Bundesregierung nennt „Buy Now, Pay Later“-Modelle als neu erfasst. Ob die Händler-Ausnahme für Zahlungsdienstleister wie Klarna oder PayPal greift, hängt am Wortlaut des BGB. In Österreich setzt die Ausnahme voraus, dass kein Dritter den Kredit anbietet, was bei Klarna und PayPal nicht der Fall ist. Die deutsche Regelung folgt derselben Richtlinie, den Wortlaut haben wir nicht ausgewertet.

❓ Für Deutschland nicht geprüft

Werbung und Warnhinweis

Nicht geprüft.

Strafen und Bußgelder

Nicht geprüft.

Übergangsregeln für bestehende Verträge

Nicht geprüft.

Noch offen: Was erst die Praxis zeigt

❓ offen

Wie Klarna, PayPal und Co. reagieren

Ob die Anbieter ihre Produkte in Österreich und Deutschland umbauen, die Prüfung verschärfen oder Laufzeiten ändern, steht nicht im Gesetz. In unserer Recherche (Stand 21. September 2026) war dazu keine verbindliche Aussage der Anbieter zu finden.

❓ offen

Wie streng die Prüfung bei kleinen Beträgen wird

Das Gesetz verlangt eine Prüfung „in angemessenem Verhältnis“ zu Art, Laufzeit, Höhe und Risiko (§ 17 Abs. 2). Eine Betragsschwelle nennt es nicht. Ob bei einem 40-€-Einkauf eine kurze automatische Abfrage genügt oder Einkommensnachweise nötig sind, klären Praxis, Aufsicht und Gerichte. Medienberichte erwarten mehr Nachweise im Checkout. Das ist eine Erwartung, keine Regel.

❓ offen

Ob es weniger Ratenkauf gibt

Berichte wie der von Kosmo halten es für möglich, dass der Handel Ratenkäufe und „Buy Now, Pay Later“ einschränkt, weil der Verwaltungsaufwand steigt. Belegt ist das nicht. Es bleibt eine Prognose.

❓ offen

Zinsobergrenze

Nach unserer Durchsicht enthält das österreichische Gesetz keine Zinsobergrenze mit fester Zahl. Wie hoch Kreditkosten künftig sein dürfen, ist damit nicht neu geregelt. Ob der Gesetzgeber nachschärft, lässt sich heute nicht sagen.

❓ offen

Auslegung im Zweifel

Das Gesetz gilt erst ab 20. November. Wie Behörden und Gerichte Grenzfälle einordnen, etwa welche Produkte genau als „Dritter“ zählen, gibt es bisher nicht.

Was du jetzt tun kannst

  1. Bei Ablehnung nachfragen. In Österreich muss der Kreditgeber dich unverzüglich informieren (§ 17 Abs. 8). Wurde automatisiert entschieden, kannst du in beiden Ländern verlangen, dass eine Person die Entscheidung überprüft.
  2. Das Rücktrittsrecht kennen. 14 Tage, ohne Begründung. In Österreich zahlst du das Geld nach dem Rücktritt samt bis dahin angefallener Zinsen binnen 30 Tagen zurück (§ 25 Abs. 5).
  3. Auch zinsfrei bleibt ein Kredit. Ein Zahlungsaufschub ohne Zinsen ist trotzdem eine Schuld. Mehrere Anbieter parallel summieren sich schnell. Wie das zusammenhängt, steht im Kredit-Artikel.
  4. Bei Zahlungsproblemen früh melden. Kreditgeber müssen Nachsicht anbieten, bevor es zur Klage kommt. Kostenlose Hilfe gibt es in Österreich bei der Schuldenberatung, in Deutschland über schuldnerberatung.de.
⚠️

Bis zum 20. November ändert sich für dich nichts. In Österreich gilt das neue Gesetz nur für Verträge, die ab diesem Tag geschlossen werden. Bestehende Ratenkäufe und Kredite bleiben beim alten Recht. Die deutschen Übergangsregeln haben wir nicht geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

🎯 Key Points

1
Ab 20. November 2026 gilt in Österreich das Verbraucherkreditgesetz 2026 und in Deutschland das Umsetzungsgesetz zur EU-Richtlinie 2023/2225. Der Kern ist gleich. Für Österreich ist der Gesetzestext ausgewertet, für Deutschland stützt sich der Beitrag auf Bundesregierung und Fachkanzleien.
2
Gesichert: Die 200-€-Untergrenze fällt, vor jedem Kredit muss geprüft werden, ob du zahlen kannst, bei negativem Ergebnis gibt es keinen Kredit. In Österreich braucht Werbung einen Warnhinweis.
3
Ausgenommen bleiben unter anderem der Kauf auf Rechnung beim Händler (bis 50 Tage, bei großen Online-Händlern bis 14 Tage), Debitkarten mit Aufschub bis 40 Tage und Ratenzahlung für laufende Leistungen.
4
Bei Klarna und PayPal steht ein Dritter dazwischen. Nach dem österreichischen Wortlaut der Ausnahme spricht viel für die Erfassung, in Deutschland ist „Buy Now, Pay Later“ laut Bundesregierung ausdrücklich erfasst. Wie die Anbieter reagieren, ist offen.
5
Offen sind vor allem die Prüftiefe bei kleinen Beträgen, ein möglicher Rückgang beim Ratenkauf und die Frage einer Zinsobergrenze.

Quellen

Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt. Die Gesetze gelten erst ab 20. November 2026, Auslegung und Praxis können sich noch ändern. Keine Rechtsberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.

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