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Aktienquote 2026: 31 % vs. 20 % — Österreich oder Deutschland?

Zwei druckfrische Umfragen, ein überraschendes Bild: Österreichs Aktienquote hat Deutschland längst überholt. Ein Überblick über die aktuellen Zahlen, den Trend dahinter — und was trotz Rekordwerten noch immer am Sparbuch klebt.

31 %🇦🇹 Österreich, 2026
~20 %🇩🇪 Deutschland, 2025
+6 %-Pkt.AT-Anstieg seit 2022

Zwei Rekordwerte gleichzeitig

Anfang 2026 kamen kurz hintereinander zwei der wichtigsten Erhebungen zum Anlageverhalten im DACH-Raum heraus — und beide vermelden Höchststände. In Österreich besitzen laut dem Aktienbarometer 2026 mittlerweile 31 % der Bevölkerung ab 16 Jahren Wertpapiere wie Aktien, Fonds oder Anleihen, umgerechnet rund 2,4 Millionen Menschen. In Deutschland zählte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) für 2025 14,1 Millionen Aktionärinnen und Aktionäre — ebenfalls ein neuer Rekord, aber anteilig nur rund jeder Fünfte (ca. 20 %) der Bevölkerung ab 14 Jahren.

Beide Zahlen stammen aus fast demselben Zeitfenster — der DE-Wert ist der Jahresdurchschnitt 2025, der AT-Wert eine Momentaufnahme aus Jänner 2026 — und messen beide direkte plus indirekte Aktienanlage (Fonds/ETFs inklusive). Für einen groben AT-DE-Überblick passt das gut zusammen.

Laptop-Bildschirm mit mehreren Aktienkurs-Charts als Symbolbild für die Aktienquote
Foto: Alesia Kozik / Pexels

Österreichs Aktienquote in Zahlen

Der eigentliche Knüller steckt im Trend: Vor rund vier Jahren lag die österreichische Wertpapierquote noch bei 25 %. Seitdem ging es fast nur bergauf.

Wertpapierbesitz Österreich, Anteil der Bevölkerung

202225 %
202530 %
202631 % · Höchststand

Unter den heimischen Wertpapierbesitzer:innen sind Investmentfonds/ETFs (24 %) beliebter als Einzelaktien (18 %), Anleihen spielen mit 11 % eine untergeordnete Rolle. Und: nach wie vor investieren mehr Männer als Frauen, und die Wahrscheinlichkeit steigt mit Einkommen und Bildungsniveau — ein Muster, das sich in praktisch jeder Land-Studie zu diesem Thema wiederfindet.

Deutschland: Rekord, getragen von den Jüngeren

Deutschland knackt 2025 zum ersten Mal die Marke von 14 Millionen Aktionär:innen — 12,1 Millionen davon über Aktienfonds/ETFs, 4,9 Millionen mit Einzelaktien (Überschneidungen möglich, da viele beides besitzen). Der auffälligste Treiber ist die Altersgruppe unter 40: Dort stieg die Zahl der Investierenden um 1,2 Millionen auf 4,9 Millionen — der größte Sprung seit Beginn der Erhebung. Neobroker mit Sparplänen ab wenigen Euro dürften hier einer der Haupttreiber sein, auch wenn die DAI-Studie selbst keine Ursachenforschung betreibt.

Und im Rest der Welt?

Weiter gezoomt zeigt sich: Beim Aktienbesitz spielt Kontinentaleuropa insgesamt in einer anderen Liga als Nordamerika. Angetrieben von aktien- und fondsbasierten Pensionssystemen liegen die USA und Kanada weit vorn, in Europa führt Schweden.

Aktienbesitz im internationalen Vergleich

Weltbank-Daten 2023/24, aufbereitet von HelloSafe — eigene, strengere Definition als die aktuellen AT/DE-Umfragen oben, daher nur zur groben Einordnung

1🇺🇸 USA
55 %
2🇨🇦 Kanada
49 %
4🇬🇧 UK
33 %
6🇸🇪 Schweden
22 %
9🇨🇭 Schweiz
18 %
13🇫🇷 Frankreich
15 %
15🇩🇪 Deutschland
14 %
16🇳🇱 Niederlande
14 %
26🇦🇹 Österreich
6 %

Der eigentlich spannende Teil: wo der Großteil des Geldes noch liegt

So sehr die Rekordwerte nach Trendwende klingen — sie beschreiben immer noch eine Minderheit. In Österreich investieren rund 69 % gar nicht am Kapitalmarkt, in Deutschland etwa 80 % nicht. Und wo liegt das Geld stattdessen? Größtenteils dort, wo es real gesehen gerade an Wert verliert.

🇦🇹 Österreich
36 %
des gesamten Geldvermögens (936,7 Mrd. € Mitte 2025) liegen in Spareinlagen. Täglich fällige Sparkonten brachten Ende 2025 im Schnitt 0,69 % Zinsen — bei 2,9 % Inflation ein spürbares Minus real. Quelle: OeNB.
🇩🇪 Deutschland
> 1/3
des Geldvermögens (insgesamt rund 9.389 Mrd. € im 3. Quartal 2025) stecken in Bargeld und Sichteinlagen — meist unverzinst oder nahe null. Quelle: Deutsche Bundesbank.

Die Folge für Österreich lässt sich sogar schon in echten Zahlen ablesen: Das reale Finanzvermögen der Haushalte lag zuletzt trotz nominellem Rekord rund 2 % unter dem Wert von vor fünf Jahren — die Inflation hat die Zuwächse auf dem Sparbuch schlicht aufgefressen. Genau dieser Mechanismus (nominell mehr, real weniger) ist einer der Hauptgründe, warum die Aktienquote in beiden Ländern trotz allem noch weiter steigen dürfte.

Fazit

Aktien und ETFs sind im DACH-Raum kein Nischenthema für „Börsianer“ mehr, sondern Alltag für einen wachsenden — aber immer noch kleinen — Teil der Bevölkerung, angetrieben nicht zuletzt von jüngeren Menschen, die über Neobroker günstig einsteigen. Der eigentliche Hebel liegt aber woanders: Solange über ein Drittel des Geldvermögens in beiden Ländern in niedrig- oder unverzinsten Einlagen liegt, bleibt bei vielen Haushalten real Geld auf der Strecke — Rekord-Aktienquote hin oder her.

Wer wissen will, was zwischen Sparbuch und Aktie sonst noch liegt, findet in Welche Anlageformen gibt es? die Übersicht — und in Aktien verstehen die Grundlagen zur Anlageform selbst.