Einkommensteuer:
Was bekommst du wirklich zurück?
Wie deine Steuer berechnet wird, zeigt dir schon die Steuerpyramide im Brutto-Netto-Rechner. Hier geht’s um das, was danach entscheidet, ob du am Ende mehr oder weniger zurückbekommst: Absetzbeträge, Pauschbeträge — und wie du dir dein Geld überhaupt zurückholst.
Zwei Dinge, auf denen wir aufbauen
Bevor es losgeht, kurz die Abgrenzung — damit nichts doppelt erklärt wird.
Von der Landkarte zum Detail
In Welche Steuern gibt es überhaupt? stand nur: Lohnsteuer/Einkommensteuer AT 0–55 %, DE 14–45 %. Dieser Artikel geht in die Tiefe — aber nicht bei der reinen Berechnung, siehe nächster Punkt.
Die Berechnung selbst gibt’s schon zum Durchklicken
Die Steuerpyramide im Brutto-Netto-Rechner zeigt bereits Stufe für Stufe, wie dein Gehalt besteuert wird — live, mit deinem eigenen Betrag. Das bauen wir hier nicht nochmal nach. Dieser Artikel setzt genau da an, wo die Pyramide aufhört: was du von der berechneten Steuer noch absetzen kannst, und wie du dir dein Geld zurückholst.
🪜 Das Missverständnis, das viele haben
„Wenn ich mehr verdiene, rutsche ich in eine höhere Steuerstufe und zahle dann plötzlich auf mein GESAMTES Einkommen mehr Steuer.“ Das ist einer der hartnäckigsten Irrtümer beim Thema Steuern — und er ist falsch.
So funktioniert Progression tatsächlich: Nur der Einkommensteil, der in eine höhere Stufe fällt, wird auch höher besteuert — nicht das gesamte Einkommen rückwirkend. Verdienst du 100 € mehr und rutschst damit in eine neue Stufe, zahlst du den höheren Satz nur auf diese 100 €, nicht auf die ersten 40.000 €. Eine Gehaltserhöhung macht dich also nie ärmer: Der Grenzsteuersatz (der Satz auf den nächsten verdienten Euro) bleibt immer unter 100 % — maximal 55 % AT (befristet bis 2029, danach planmäßig 50 %) / 45 % DE.
Willst du das an deinem eigenen Gehalt Stufe für Stufe live durchklicken? Das zeigt dir die Steuerpyramide im Brutto-Netto-Rechner.
🇦🇹 Österreich — feste Stufen (Treppe, 2026)
Jede Stufe ist ein klarer, fester Sprung — wie eine Treppe. Kein fließender Übergang. ⚠️ Der 55 %-Satz ist befristet bis 2029 — ab 2030 gilt planmäßig wieder 50 %, sofern der Gesetzgeber nichts verlängert (Stand: 2026).
🇩🇪 Deutschland — kontinuierliche Formel (Rampe, 2026)
0 % bis 12.348 € → steigt kontinuierlich auf 42 % bei 69.878 € → bleibt fix bei 42 % bis 277.825 € → danach 45 %. Eine Rampe, keine Treppe.
Grenzsteuersatz vs. Durchschnittssteuersatz: Der Grenzsteuersatz sagt, wie viel vom nächsten verdienten Euro an Steuer geht — die Zahl, die zählt, wenn du wissen willst, wie viel von einer Gehaltserhöhung oder Überstunde tatsächlich bei dir ankommt. Der Durchschnittssteuersatz sagt, wie viel Steuer du insgesamt im Verhältnis zu deinem ganzen Einkommen zahlst — und ist wegen der niedriger besteuerten unteren Stufen immer kleiner als der Grenzsteuersatz.
💶 Absetzbetrag vs. Frei-/Pauschbetrag
Beide Länder lassen dich Ausgaben steuerlich geltend machen — aber auf grundlegend andere Art. Der Unterschied entscheidet, wie viel ein Betrag am Ende wirklich wert ist.
Absetzbetrag — Abzug von der Steuer
Ein Absetzbetrag wird direkt von der berechneten Steuer abgezogen. 500 € Absetzbetrag bedeuten 500 € weniger Steuer — egal ob du 20 % oder 50 % Grenzsteuersatz hast. Man nennt das auch „Steuergutschrift“ (Tax Credit).
Beispiel: 500 € Absetzbetrag
Die wichtigsten Absetzbeträge in Österreich (Stand: 2026)
Verkehrsabsetzbetrag
Steht automatisch jedem Arbeitnehmer zu, auch zusätzlich zur Pendlerpauschale. Bei Pendlerpauschale-Anspruch und Einkommen bis 15.069 € erhöht auf 853 €, danach stufenweise Abschmelzen bis 16.056 € (ab da wieder 496 €).
Familienbonus Plus
Bis zum 18. Geburtstag, danach reduziert auf bis zu 700 € solange Familienbeihilfe bezogen wird.
Alleinverdiener-/-erzieherabsetzbetrag
+216 € für das 2. Kind, ab dem 3. Kind jeweils +273 € — für Alleinverdiener:innen bzw. Alleinerzieher:innen.
Pendlerpauschale + Pendlereuro
Die Pendlerpauschale selbst mindert das Einkommen, der Pendlereuro obendrauf ist ein echter Absetzbetrag pro Kilometer einfacher Strecke.
Frei-/Pauschbetrag — Abzug vom Einkommen
Ein Frei- oder Pauschbetrag wird vom zu versteuernden Einkommen abgezogen, bevor der Steuersatz angewendet wird. Der tatsächliche Vorteil hängt deshalb vom eigenen Grenzsteuersatz ab — bei hohem Einkommen ist er in Euro mehr wert.
Beispiel: 500 € weniger versteuern
Die wichtigsten Frei-/Pauschbeträge in Deutschland (Stand: 2026)
Arbeitnehmer-Pauschbetrag
Auch Werbungskostenpauschale genannt — bis zu diesem Betrag brauchst du für Werbungskosten keine Belege. Eine Erhöhung auf rund 1.430 € wurde Anfang Juli 2026 angekündigt, ist aber noch nicht beschlossen.
Sonderausgaben-Pauschbetrag
Deckt kleinere Sonderausgaben pauschal ab, ohne dass du sie im Detail nachweisen musst.
Entfernungspauschale
DEs Pendlerpauschale-Pendant — mindert wie die AT-Pendlerpauschale das Einkommen, ist aber kein direkter Absetzbetrag. Seit 1.1.2026 einheitlich 0,38 € ab dem ersten Kilometer (zuvor 2022–2025 gestaffelt: 0,30 € für km 1–20, 0,38 € ab km 21).
Kinderfreibetrag
Setzt sich zusammen aus 6.828 € sächlichem Existenzminimum + 2.928 € BEA-Freibetrag (Betreuung/Erziehung/Ausbildung), je zur Hälfte pro Elternteil. Alternative zum monatlichen Kindergeld — das Finanzamt prüft automatisch, welche Variante günstiger ist (Günstigerprüfung).
📋 Wie du dein Geld tatsächlich bekommst
Die Beträge oben nützen dir nichts, wenn du sie nicht geltend machst.
Arbeitnehmerveranlagung (ANV) — Stand: 2026
Hast du ausschließlich Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und würde eine Veranlagung eine Gutschrift ergeben, prüft das Finanzamt seit 2017 automatisch — ganz ohne Antrag („antragslose ANV“).
Reichst du bis 30. Juni des Folgejahres nichts ein, bekommst du in der zweiten Jahreshälfte ein Informationsschreiben mit der zu erwartenden Gutschrift.
Willst du selbst Absetzbeträge geltend machen oder ergibt sich keine automatische Gutschrift, reichst du die freiwillige ANV über FinanzOnline ein — bis zu 5 Jahre rückwirkend möglich.
Wichtig zu wissen: Willst du eigene Absetzbeträge geltend machen, musst du auch in Österreich aktiv einreichen (freiwillige ANV) — genau wie in Deutschland. Automatisch läuft nur der einfachste Fall: nur Lohneinkünfte, nichts zusätzlich abzusetzen.
Steuererklärung — Stand: 2026
Bei bestimmten Fällen (§ 46 EStG) bist du zur Pflichtveranlagung verpflichtet — z. B. Nebeneinkünfte über 410 €, mehrere Arbeitgeber gleichzeitig oder bestimmte Steuerklassenkombinationen bei Ehepaaren.
Abgabefrist ohne Steuerberater: 31. Juli des Folgejahres. Mit Steuerberater: deutlich später (i. d. R. Ende Februar des übernächsten Jahres). Verspätung kostet 0,25 % der festgesetzten Steuer pro angefangenem Monat, mindestens aber 25 €.
Bist du nicht pflichtveranlagt, kannst du freiwillig eine Steuererklärung abgeben (z. B. um Werbungskosten geltend zu machen) — rückwirkend bis zu 4 Jahre, eingereicht über ELSTER.
Wichtig zu wissen: In Deutschland gibt es keinen automatischen Fallback ohne Antrag wie in Österreich — wer etwas zurückbekommen will, muss immer selbst eine Steuererklärung einreichen, auch im einfachsten Fall.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
Einkommensteuer auf einen Blick
Quellen
- Bundesministerium für Finanzen Österreich (BMF) — Steuertarif und Absetzbeträge 2026
- Unternehmensserviceportal (USP.gv.at) — Tarifstufen Einkommensteuer, Stand 2026
- Arbeiterkammer Österreich — Antragslose Arbeitnehmerveranlagung, Stand 2026
- Bundesministerium der Justiz — Gesetze im Internet — § 32a EStG, Einkommensteuertarif Deutschland 2026
- Bundesministerium der Finanzen (Deutschland) — Grundfreibetrag und Pauschbeträge 2026
Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — Steuersätze, Freibeträge und Absetzbeträge ändern sich häufig, teils jährlich. Keine Steuer- oder Rechtsberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.