Erste Steuererklärung: Geld zurückholen
Es kostet dich nichts, es zu versuchen. Es kostet dich Geld, es nicht zu tun.
Warum überhaupt Geld zurückkommt
Dein Arbeitgeber zieht jeden Monat Lohnsteuer ab — berechnet so, als würdest du das ganze Jahr über gleich viel verdienen. Hast du aber nur einen Teil des Jahres gearbeitet (Ferialjob, Berufseinstieg im Herbst, Jobwechsel), oder hattest höhere berufliche Ausgaben als die automatische Pauschale abdeckt, hast du meist zu viel bezahlt. Genau diese Differenz holst du dir mit der Steuererklärung zurück.
Wichtig zur Aktualität: Pauschalbeträge, Freibeträge und Kilometersätze ändern sich in beiden Ländern nahezu jährlich. Alle Zahlen in diesem Artikel sind Stand 2026 — schau vor deiner eigenen Erklärung trotzdem kurz nach, ob sich seither etwas geändert hat (z.B. direkt auf bmf.gv.at oder elster.de). Der Grundgedanke bleibt aber gleich: Nachsehen lohnt sich so gut wie immer.
🌍 Österreich oder Deutschland?
Die Ausgangslage ist in beiden Ländern grundlegend unterschiedlich:
Arbeitnehmerveranlagung — meist freiwillig
Für die meisten Angestellten freiwillig, aber fast immer lohnend. Pflicht wird sie z.B. bei Nebeneinkünften über 730€ im Jahr. Rückwirkend geht die freiwillige Veranlagung bis zu 5 Jahre — für das Steuerjahr 2021 also noch bis Ende 2026.
Werbungskostenpauschale: nur 132€
Automatisch berücksichtigt, unabhängig von echten Kosten. Weil das so wenig ist, übersteigen eigene Werbungskosten (Pendlerpauschale, Fortbildung, Arbeitsmittel) diese Grenze sehr schnell.
Pendlerpauschale & Pendlereuro
Die Pendlerpauschale (klein oder groß, je nach Zumutbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel) mindert dein zu versteuerndes Einkommen. Der Pendlereuro (ca. 2€ pro Kilometer einfache Strecke) wirkt zusätzlich als direkte Steuerermäßigung.
Telearbeitspauschale (ehem. Homeoffice-Pauschale)
Bis zu 3€ pro Homeoffice-Tag, maximal 100 Tage = 300€/Jahr. Zusätzlich bis zu 300€ für ergonomische Büromöbel (Schreibtisch, Bürostuhl) — macht in Summe bis zu 600€ möglich. Wichtig: Zahlt dein Arbeitgeber die Telearbeitspauschale schon steuerfrei während des Jahres aus, kannst du in der Arbeitnehmerveranlagung nur mehr die Differenz zum Maximalbetrag geltend machen — nicht nochmal die vollen 300€ obendrauf. Check das auf deinem Jahreslohnzettel.
Einkommensteuererklärung — meist freiwillig (Antragsveranlagung)
Für die meisten Angestellten mit nur einem Job freiwillig. Pflicht wird sie u.a. bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig oder Nebeneinkünften über bestimmten Grenzen. Rückwirkend geht die freiwillige Abgabe bis zu 4 Jahre.
Arbeitnehmer-Pauschbetrag: 1.230€
Fast zehnmal so hoch wie in Österreich, automatisch berücksichtigt. Deine echten Werbungskosten müssen diese Grenze erst übersteigen, damit sich Belege sammeln überhaupt auszahlt.
Entfernungspauschale
Seit 2026 einheitlich 0,38€ pro Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer (vorher galten für die ersten 20 km nur 0,30€) — eine spürbare Erhöhung gerade für Pendler:innen mit kurzem Arbeitsweg.
Homeoffice-Pauschale (Tagespauschale)
6€ pro Homeoffice-Tag, maximal 210 Tage = 1.260€/Jahr. Wichtig: Für denselben Tag gilt entweder Entfernungspauschale ODER Homeoffice-Pauschale, nicht beide gleichzeitig.
Stand: 2026 · Keine Steuerberatung, Richtwerte ohne Gewähr
🧮 Zwei konkrete Beispiele
So sieht das in der Praxis aus:
🇦🇹 Österreich
Angestellte:r mit 40.000€ Bruttojahresgehalt, 25 km einfacher Arbeitsweg (öffentliche Verkehrsmittel nicht zumutbar), Gewerkschaftsmitglied, ein Kind:
Allein die Werbungskosten senken das zu versteuernde Einkommen um 3.144€ — bei einem mittleren Grenzsteuersatz ergibt das grob geschätzt mehrere hundert Euro Steuerersparnis. Pendlereuro und Familienbonus Plus kommen als direkte Steuerermäßigung obendrauf und machen den größten Teil der Rückerstattung aus. Der Familienbonus wird oft schon unterjährig über die Gehaltsabrechnung berücksichtigt — prüfen, ob das schon passiert ist.
🇩🇪 Deutschland
Angestellte:r mit 25 km Arbeitsweg, 180 Tage im Büro und 40 Tage im Homeoffice:
Ohne Steuererklärung bleiben diese rund 215€ einfach beim Finanzamt liegen — für eine Eintragung in der Anlage N, die vielleicht 20 Minuten dauert.
Zur Einordnung der Durchschnittswerte: In Österreich liegt die durchschnittliche Gutschrift bei ca. 300-600€, in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei ca. 1.172€ über alle Steuerklassen hinweg. Die Zahlen sind wegen unterschiedlicher Steuersysteme und Methodik nicht direkt vergleichbar — beide zeigen aber: Es lohnt sich in der großen Mehrheit der Fälle.
🔍 Lohnt sich’s für dich?
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📮 Wie reichst du sie ein?
Den Zugang zu FinanzOnline (AT) bzw. ELSTER (DE) — inklusive ID Austria bzw. eID/BundID, die du dafür brauchst — haben wir bereits im Artikel Digitale Identität: ID Austria & BundID dieser Reihe erklärt. Kurz zusammengefasst:
Österreich: In FinanzOnline unter „Erklärungen“ → „Arbeitnehmerveranlagung (L1)“. Vorausgefüllte Daten (Lohnzettel) prüfen, Werbungskosten bei Kennzahl 724 ergänzen, absenden. Bescheid meist innerhalb weniger Wochen.
Deutschland: Über ELSTER (elster.de), kostenlos. Werbungskosten werden in der Anlage N eingetragen (Homeoffice-Tage z.B. in Zeile 60-62). Bearbeitungsdauer variiert je nach Finanzamt, oft mehrere Wochen.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
Erste Steuererklärung auf einen Blick
📚 Quellen
- Bundesministerium für Finanzen (BMF) — Arbeitnehmerveranlagung, Pendlerpauschale und Pendlereuro
- ELSTER — Einkommensteuererklärung und Anlage N (DE)
- Statistisches Bundesamt (Destatis) — Durchschnittliche Steuererstattung (DE)
🎉 Reihe geschafft
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