Unterrichtseinheit · 50 Minuten

Was bleibt vom Ferialjob?

Die Klasse rechnet einen eigenen Sommerjob durch — für Österreich und für Deutschland. Am Ende weiß sie, warum vom Brutto etwas abgeht, was sie dafür bekommt, und welchen Teil sie zurückholen kann.

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Steckbrief

Dauer50 Minuten
Alterab 15 Jahren
SozialformEinzeln, dann zu zweit
MaterialArbeitsblätter, ein Gerät pro Paar
VorbereitungKeine
ErweiterbarDoppelstunde mit Arbeitsblatt 3

Worum es geht

Fast jede Schülerin und jeder Schüler erlebt denselben Moment: Der Chef sagt 1.200 Euro, auf dem Konto landen unter 1.000. Diese Einheit erklärt die Differenz nicht als Abzug, sondern als zwei verschiedene Dinge mit zwei verschiedenen Logiken — eine Versicherung mit Gegenleistung und eine Steuer ohne. Und sie zeigt, dass ein Teil davon zurückkommt.

Der Vergleich Österreich–Deutschland ist dabei nicht Beiwerk. Er führt zum überraschendsten Ergebnis der Stunde: Beim Ferienjob bleibt in Deutschland mehr übrig als in Österreich — und der Grund dafür ist genau das, was die österreichische Schülerin dafür bekommt.

🎯

Lernziel: Die Schüler:innen berechnen ihr eigenes Netto für beide Länder, unterscheiden Sozialversicherung von Lohnsteuer, begründen, warum ein Abzug eine Gegenleistung hat und der andere nicht, und benennen den Weg, zu viel gezahlte Lohnsteuer zurückzuholen.

Wo das in den Lehrplan passt

Der Rechenteil ist länderneutral, die Zahlen sind es nicht — deshalb laufen beide Länder nebeneinander mit.

🇦🇹 Österreich

  • Berufsorientierung — verbindliche Übung: Arbeitswelt, erste eigene Erwerbstätigkeit
  • Geographie und wirtschaftliche Bildung — Einkommen, Verteilung, Sozialstaat
  • Politische Bildung — wofür Abgaben verwendet werden

🇩🇪 Deutschland

  • Wirtschaft / Arbeit / Technik (WAT) — Erwerbsarbeit und Entgelt
  • Politik-Wirtschaft / Sozialkunde — Sozialversicherung, Steuern
  • Berufsorientierung — Praktikum und erster Job

Der Ablauf

0–7
Einstieg: erst schätzen, dann rechnen
Situation vorlesen: vier Wochen Ferialjob, 1.200 Euro brutto vereinbart. Jede:r schreibt ohne zu rechnen eine Zahl auf Arbeitsblatt 1 — was landet am Konto? Zahlen nicht besprechen, nur aufschreiben lassen. Der Vergleich am Ende ist der Effekt.
7–18
Nachrechnen am Gerät
Zu zweit den Brutto-Netto-Rechner öffnen, 1.200 Euro einstellen und beide Länder ablesen. Ergebnisse in die Tabelle auf Arbeitsblatt 1 eintragen. Wer schneller fertig ist, probiert den eigenen Wunschbetrag.
18–30
Zwei Abzüge, zwei Logiken
Arbeitsblatt 2. Die Klasse ordnet zu, was Sozialversicherung ist und was Lohnsteuer — und beantwortet die entscheidende Frage: Wofür bekomme ich etwas zurück und wofür nicht? Hier fällt der Groschen, dass der größere Abzug der ist, für den man etwas bekommt.
30–42
Die Wendung: der deutsche Ferienjob
Jetzt kommt die Auflösung, die der Rechner nicht zeigt: Ein Ferienjob, der in den Ferien liegt und unter drei Monaten bleibt, ist in Deutschland komplett sozialversicherungsfrei. In Österreich gibt es diese Ausnahme nicht. Diskussionsfrage an die Klasse: Wer hat den besseren Deal — und warum ist die Antwort nicht einfach „Deutschland“?
42–50
Abschluss: eine Sache mitnehmen
Jede:r formuliert einen Satz: „Wenn ich meinen ersten Ferialjob mache, achte ich auf …“. Einige laut vorlesen lassen. Der Satz bleibt auf dem Arbeitsblatt und geht mit nach Hause.

Die Zahlen dahinter

Für die Vorbereitung. Ein Monat, 1.200 Euro brutto, Stand 2026, vereinfachte Berechnung.

bei 1.200 € brutto🇦🇹 Österreich🇩🇪 laut Rechner🇩🇪 als Ferienjob
Sozialversicherung−181,44 €−180,77 €0,00 €
Lohnsteuer0,00 €0,00 €−23,94 €
Netto1.018,56 €1.019,23 €1.176,06 €
⚠️

Der Rechner zeigt bewusst die mittlere Spalte. Er berechnet ein normales Dienstverhältnis, und das ist für Deutschland beim Ferienjob nicht der Fall. Das ist kein Fehler, sondern der pädagogische Angelpunkt der Stunde: Ein Werkzeug rechnet immer ein Modell, und man muss wissen, welches.

Ein Ferienjob, der ausschließlich in den Ferien liegt und im Kalenderjahr drei Monate beziehungsweise 70 Arbeitstage nicht überschreitet, gilt in Deutschland als kurzfristige Beschäftigung. Dann fallen unabhängig von der Höhe des Verdienstes keine Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung an. In Österreich gibt es diese Ausnahme nicht: Wer über der Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro im Monat verdient, ist voll versichert und zahlt bei einem Ferialjob-Lohn rund 15 Prozent Arbeitnehmeranteil. Die vollen 18 Prozent gelten erst ab etwa 2.630 Euro im Monat — darunter ist der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung gestaffelt und fällt bis 2.225 Euro ganz weg. Versichert ist sie trotzdem: Die Befreiung betrifft den Beitrag, nicht den Schutz.

Und genau das ist die Pointe: Die österreichische Ferialarbeiterin erwirbt für ihre 181 Euro Versicherungszeiten in der Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung. Der deutsche Ferienjobber erwirbt keine. Der Unterschied ist keine Ungerechtigkeit, sondern eine andere Entscheidung darüber, wann Versicherung beginnt.

Der Rechner zur Stunde: finwissen.com/brutto-netto-rechner/ — kostenlos, ohne Anmeldung, läuft im Browser der Schul-Laptops und sendet keine Eingaben an uns. Auf den Arbeitsblättern ist er als QR-Code aufgedruckt.

Neu und für diese Stunde noch passender: Der Ferienjob-Rechner zeigt alle drei Fälle direkt nebeneinander — Österreich, Deutschland normal und Deutschland als kurzfristige Beschäftigung. Wer die Wendung in Phase 4 lieber selbst entdecken lassen will, bleibt beim Brutto-Netto-Rechner und hält den Ferienjob-Rechner für die Auflösung zurück.

Rechner
finwissen.com/
brutto-netto-rechner/
Arbeitsblatt 1

Schätzen, dann nachrechnen

NameKlasseDatum

Deine Situation: Du arbeitest vier Wochen im Sommer, 40 Stunden pro Woche. Vereinbart sind 1.200 Euro brutto für den Monat.

1 · Zuerst schätzen — nicht rechnen, nicht nachsehen.
Was glaubst du, landet auf deinem Konto?
2 · Jetzt nachrechnen.
Öffnet den Rechner, stellt 1.200 € ein und lest beide Länder ab.
🇦🇹 Österreich🇩🇪 Deutschland
Sozialversicherung  
Lohnsteuer  
Netto  
3 · Vergleiche mit deiner Schätzung aus Aufgabe 1.
Um wie viel lagst du daneben — und in welche Richtung?
4 · Rechne auf die Stunde herunter.
Vier Wochen zu 40 Stunden sind 160 Stunden. Was verdienst du brutto pro Stunde, was netto (Österreich)?
brutto pro Stunde
netto pro Stunde
5 · Wofür wolltest du das Geld ausgeben?
Schreib es auf. Reicht das Netto noch dafür?
Arbeitsblatt 2

Zwei Abzüge, zwei Logiken

NameKlasseDatum

Vom Brutto gehen zwei völlig verschiedene Dinge weg. Sie sehen auf dem Lohnzettel gleich aus, sind es aber nicht.

1 · Ordne zu: SV für Sozialversicherung, LSt für Lohnsteuer.
a) Wird nur fällig, wenn dein Jahreseinkommen über einem Freibetrag liegt. 
b) Zahlst du, sobald du über der Geringfügigkeitsgrenze verdienst — egal wie wenig es insgesamt ist. 
c) Dafür bekommst du im Krankheitsfall Leistungen. 
d) Damit werden Straßen, Schulen und Polizei bezahlt. 
e) Kannst du dir zurückholen, wenn du nur ein paar Monate im Jahr gearbeitet hast. 
f) Zählt später für deine Pension beziehungsweise Rente. 
2 · Welcher der beiden Abzüge war bei 1.200 € größer?
Und die schwierigere Frage: Warum ist ausgerechnet der größere der, über den man sich weniger ärgern sollte?
3 · Die Grenzen, ab denen es losgeht (Stand 2026).
Trage ein, was deine Lehrkraft nennt.
🇦🇹 Geringfügigkeitsgrenze pro Monat
🇩🇪 Minijob-Grenze pro Monat
4 · Geld zurückholen.
Wie viele Jahre rückwirkend kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuer noch holen?
🇦🇹 Arbeitnehmerveranlagung
🇩🇪 Steuererklärung
5 · Wenn ich meinen ersten Ferialjob mache, achte ich auf …
Arbeitsblatt 3 · optional, für die Doppelstunde

Der Weg zum Ferialjob

NameKlasseDatum

Rechnen kann man erst, wenn man einen Job hat. Dieses Blatt geht den Schritt davor.

1 · Darfst du überhaupt schon?
🇦🇹 Ab 15 und nach dem Ende der Schulpflicht — dann giltst du nicht mehr als Kind, sondern als Jugendliche:r. 🇩🇪 Ab 15, aber solange du vollzeitschulpflichtig bist, höchstens vier Wochen im Kalenderjahr und nur in den Ferien. In beiden Ländern unter 18: höchstens 8 Stunden am Tag, 40 in der Woche, zwischen 6 und 20 Uhr.
Wie viele Wochen darfst du diesen Sommer arbeiten? Rechne es für dein Land aus.
2 · Wo würdest du suchen?
Schreib drei konkrete Stellen auf — nicht „im Internet“, sondern welche.
3 · Schreib die Bewerbung. Fünf Zeilen reichen.
Hinein gehören: wer du bist, wie alt, welcher Zeitraum, was du schon kannst, und wie man dich erreicht. Mehr nicht — für einen Ferialjob liest niemand eine Seite.
4 · Vier Fragen, die du vor dem Ja klärst.
Formuliere sie so, wie du sie tatsächlich stellen würdest.
5 · Der wichtigste Punkt.
Warum solltest du fragen, ob du ordentlich angemeldet wirst — und was hättest du davon?
Für die Lehrkraft

Lösungen und Moderationshinweise

Arbeitsblatt 1

2) Österreich: Sozialversicherung −181,44 €, Lohnsteuer 0,00 €, Netto 1.018,56 € (der Rechner rundet auf 1.019 €). Deutschland: Sozialversicherung −180,77 €, Lohnsteuer 0,00 €, Netto 1.019,23 € (Rechner: 1.019 €). Dass beide Länder fast auf denselben Betrag kommen, ist der erste Überraschungsmoment der Stunde — und beabsichtigt.
Warum in beiden Ländern 0 € Lohnsteuer? Der Rechner rechnet den Monatslohn auf ein volles Jahr hoch. 1.200 € brutto ergeben nach Abzug der Sozialversicherung rund 11.800 € (AT) beziehungsweise 11.400 € (DE) im Jahr — beides liegt unter dem steuerfreien Betrag von 13.539 € (AT) und 12.348 € (DE). Das ist zugleich der Grund, warum echte Ferialjobber:innen ihre Lohnsteuer fast immer zurückbekommen: Der Arbeitgeber zieht sie monatlich ab, als würde man das ganze Jahr so verdienen.
4) Brutto 1.200 ÷ 160 = 7,50 € pro Stunde. Netto 1.018,56 ÷ 160 = 6,37 € pro Stunde (Österreich). Diese Zahl wirkt erfahrungsgemäß stärker als der Monatsbetrag.

Arbeitsblatt 2

1) a) LSt · b) SV · c) SV · d) LSt · e) LSt · f) SV
2) Größer ist die Sozialversicherung (181,44 € gegenüber 0 € Lohnsteuer). Der erwartete Gedanke: Für die Sozialversicherung bekommt man eine Gegenleistung — Krankenversicherung ab dem ersten Tag, Versicherungszeiten für die Pension, Anspruch in der Arbeitslosenversicherung. Für die Lohnsteuer bekommt man nichts, das einem persönlich zurechenbar wäre. Achtung: Das ist kein Urteil darüber, ob Steuern sinnvoll sind — Aufgabe d) hält bewusst dagegen. Genau diese Spannung ist die Diskussion wert.
3) 🇦🇹 551,10 € pro Monat (für 2026 eingefroren, also unverändert gegenüber 2025). 🇩🇪 603 € pro Monat (an den Mindestlohn gekoppelt, der 2026 auf 13,90 € steigt).
4) 🇦🇹 fünf Jahre rückwirkend · 🇩🇪 vier Jahre rückwirkend. Wer mit 16 seinen ersten Ferialjob hatte, kann das also noch mit 20 beziehungsweise 21 nachholen.

Die Wendung in Phase 4 — so führen Sie sie ein

Fragen Sie zuerst: „Welches Land ist besser für einen Ferienjob?“ Nach Arbeitsblatt 1 wird die Klasse feststellen, dass es fast keinen Unterschied gibt (1.019 € gegen 1.019 €) — beide Länder entlasten niedrige Einkommen, nur mit verschiedenen Mitteln. Genau das macht die folgende Wendung stärker: Der große Unterschied liegt eben nicht am Land. Dann die Auflösung: Ein Ferienjob, der in den Ferien liegt und im Kalenderjahr unter drei Monaten beziehungsweise 70 Arbeitstagen bleibt, ist in Deutschland eine kurzfristige Beschäftigung — dabei fällt gar keine Sozialversicherung an, unabhängig von der Höhe des Verdienstes. Tatsächlich blieben in Deutschland also rund 1.176 € statt 1.019 €.
Und jetzt die eigentliche Frage: Wer hat den besseren Deal? Die deutsche Schülerin hat rund 157 € mehr in der Hand. Die österreichische hat dafür Versicherungszeiten erworben — Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung. Es gibt hier keine richtige Antwort, und das ist der Punkt: Die beiden Länder haben sich unterschiedlich entschieden, ab wann Versicherung beginnt.
Warum zeigt der Rechner das nicht? Weil er ein normales Dienstverhältnis berechnet und das sagt er auch dazu. Das ist ein Lernziel für sich: Ein Werkzeug rechnet immer ein Modell, und wer es benutzt, muss wissen, welches. Diese Frage lohnt sich auch bei jedem anderen Onlinerechner.

Arbeitsblatt 3 (falls eingesetzt)

1) Österreich: nach Ende der Schulpflicht keine Wochenbegrenzung für den Ferialjob, aber die Arbeitszeitgrenzen für unter 18-Jährige gelten. Deutschland: höchstens vier Wochen im Kalenderjahr, solange Vollzeitschulpflicht besteht — die vier Wochen dürfen auf mehrere Zeiträume verteilt werden.
2) Erwartbar und gut: Betriebe im Ort direkt fragen, Aushänge, Gemeinde oder Stadt, AMS-Jugendberatung (AT) beziehungsweise Agentur für Arbeit (DE), Bekannte der Eltern. „Im Internet“ allein reicht nicht — auf die Konkretisierung bestehen.
4) Die vier, auf die es ankommt: Stundenlohn brutto (nicht „was verdiene ich“), wie viele Stunden pro Woche, welcher Zeitraum genau, und werde ich angemeldet. Wer nach dem Stundenlohn brutto fragt, zeigt außerdem, dass er den Unterschied kennt.
5) Angemeldet zu sein heißt: unfallversichert während der Arbeit, ein Nachweis über den Verdienst, Anspruch auf den vereinbarten Lohn, und die gezahlte Lohnsteuer lässt sich später zurückholen. Ohne Anmeldung gibt es nichts davon — und bei einem Unfall am ersten Tag zeigt sich das sofort. In Österreich hat man Anspruch auf einen Dienstzettel, in Deutschland auf einen schriftlichen Nachweis der wesentlichen Vertragsbedingungen.

Wenn die Technik ausfällt

Die Einheit funktioniert auch ohne Geräte. Diktieren Sie die Werte aus der Tabelle „Die Zahlen dahinter“ und lassen Sie Arbeitsblatt 1 ab Aufgabe 3 rechnen. Die Diskussion in Phase 3 und 4 braucht ohnehin keinen Bildschirm — sie ist der Kern der Stunde.

Was Sie mit diesem Material dürfen

  • Im Unterricht einsetzen, so oft Sie wollen — kostenlos, ohne Anmeldung, ohne Registrierung.
  • In Klassenstärke vervielfältigen, ausdrucken und an Schüler:innen austeilen.
  • Auf die Lernplattform Ihrer Schule hochladen, solange der Zugriff auf Ihre Klasse beschränkt bleibt.
  • Kürzen oder an Ihre Klasse anpassen. Bitte in dem Fall die Quelle nennen: finwissen.com
  • Nicht gestattet ist der Weiterverkauf oder die Nutzung in kostenpflichtigen Angeboten.

Bei Fragen zu einer darüber hinausgehenden Nutzung genügt eine kurze Mail an hallo@finwissen.com.

Alle Zahlen Stand 2026, vereinfachte Berechnung ohne Höchstbeitragsgrundlage und Kirchensteuer, Deutschland in Steuerklasse I. Sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr — Grenzwerte und Steuersätze ändern sich zum Jahreswechsel. Keine Steuerberatung, siehe finanzielle Hinweise. finwissen.com