ETFs vergleichen
Zwei ETFs auf denselben Index — trotzdem nicht dasselbe Produkt. TER, Replikationsmethode, Ausschüttungsart und Steuern entscheiden, was am Ende bei dir ankommt.
Du weißt schon, was ein ETF ist
Ein ETF bündelt hunderte Unternehmen in einem Produkt — das kennst du bereits. Aber sobald du wirklich einen ETF auswählen willst, stehst du vor einer Wand aus Abkürzungen: TER, Replikationsmethode, thesaurierend oder ausschuettend, Fondsdomizil. Genau die klären wir hier.
Grundlagen zuerst?
In Was ist ein ETF? erklären wir das Grundprinzip, den MSCI World als Einstieg und einen Zinseszins-Sparplan-Simulator. Hier setzen wir direkt darauf auf: Wie unterscheidest du zwei ETFs auf denselben Index voneinander?
💰 Die TER: mehr als eine Zahl
Die Total Expense Ratio (TER) ist die jährliche Kostenquote eines ETFs — sie wird laufend aus dem Fondsvermögen abgezogen, du siehst sie nie als separate Abbuchung. Wichtig zu wissen: Die TER deckt Verwaltung, Lizenzgebühren fürs Index-Tracking und laufende Kosten ab — nicht aber alle Kosten. Handelskosten durch Rebalancing (wenn sich die Index-Zusammensetzung ändert) oder Swap-Gebühren bei synthetischen ETFs stecken oft zusätzlich in der Wertentwicklung, ohne in der TER aufzutauchen. Deshalb ist die TER ein guter erster Filter, aber nicht die ganze Wahrheit — mehr dazu gleich bei Tracking Difference.
Zwei ETFs, die beide den MSCI World abbilden, als laufendes Beispiel für diesen Artikel:
| ETF | TER p.a. | Fondsvolumen | ISIN |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World | 0,20 % | ~125 Mrd. € | IE00B4L5Y983 |
| Vanguard FTSE All-World (Acc) | 0,19 % | ~46 Mrd. € | IE00BK5BQT80 |
Stand: Juli 2026 — TER und Fondsvolumen ändern sich, für den aktuellen Wert lohnt ein Blick ins Factsheet des jeweiligen Anbieters.
Callback: Im Artikel Zinseszins vertieft hast du schon gesehen, wie brutal sich 0,2 % TER gegen 1,5 % TER über 30 Jahre auswirken. Jetzt weißt du, wo du diese Zahl für einen echten ETF überhaupt findest: im Factsheet oder in der ETF-Suche des jeweiligen Anbieters, direkt neben der ISIN.
🧩 Wie ein ETF den Index nachbildet
Ein ETF muss seinen Index irgendwie abbilden — dafür gibt es drei Methoden. Klick dich durch:
Replikationsmethoden-Explorer
Wähle eine Methode für Details:
Unser Beispielpaar von oben bildet den MSCI World übrigens beide physisch ab (kein Swap) — sie kaufen also tatsächlich die enthaltenen Aktien, statt sie über ein Tauschgeschäft nachzubilden.
📏 Tracking Difference vs. Tracking Error
Selbst ein guter ETF weicht minimal vom Index ab — durch Kosten, Kassenhaltung oder Steuern auf Dividenden. Zwei Kennzahlen beschreiben diese Abweichung, und sie messen nicht dasselbe:
Tracking Difference
Wie weit liegt der ETF-Endstand vom Index entfernt — über einen bestimmten Zeitraum? Index +10,0 %, ETF +9,8 % → Tracking Difference von −0,2 Prozentpunkten. Ein Wert nahe 0 ist gut.
Tracking Error
Wie stark schwankt der ETF-Kurs Tag für Tag um den Index herum, egal wo er am Ende landet? Ein niedriger Tracking Error bedeutet: eine ruhige, vorhersehbare Fahrt unterwegs.
🧾 Ausschütten oder thesaurieren — und was das steuerlich bedeutet
Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden direkt an dich aus. Thesaurierende ETFs legen sie automatisch wieder an — dein Anteil wird intern mehr wert, ohne dass Geld auf deinem Konto landet. Klingt nach freier Wahl, ist steuerlich aber in AT und DE unterschiedlich geregelt:
Vorabpauschale-Rechner (DE)
Seit 2018 zahlst du in Deutschland auch bei thesaurierenden ETFs jährlich Steuern — auf eine pauschal geschätzte Mindestwertsteigerung, die Vorabpauschale. Rechenbasis: 10.000 € Fondswert zum Jahresanfang, Basiszins 2026 = 3,20 % (Stand: Januar 2026, jährlich neu vom Bundesfinanzministerium festgelegt), Teilfreistellung 30 % für Aktienfonds, Abgeltungsteuer 26,375 % inkl. Soli.
Bei 0 % Ausschüttung wird diese Steuer automatisch vom Verrechnungskonto abgebucht — obwohl kein Geld aus dem ETF geflossen ist.
Wichtig: Diese Vorabpauschale ist nicht doppelt gezahlt — beim späteren Verkauf wird sie auf die dann fällige Steuer angerechnet. Sie verschiebt nur, wann ein Teil der Steuer fällig wird, nicht wie viel insgesamt.
Ausschüttungsgleiche Erträge (agE)
Österreich hat kein Basiszins-Konstrukt wie Deutschland. Stattdessen gilt: Ein ETF mit Status Meldefonds meldet seine tatsächlichen steuerpflichtigen Erträge jährlich an die Österreichische Kontrollbank (OeKB) — die Daten landen auf dem Portal my.oekb.at.
Auf diesen Betrag zahlst du pauschal 27,5 % KESt — Jahr für Jahr, auch bei einem thesaurierenden ETF, obwohl kein Geld bei dir ankommt. Dein Broker führt das bei einem Meldefonds automatisch ab, du musst nichts selbst berechnen.
Worauf achten: Ein „Nichtmeldefonds“ (keine Meldung an die OeKB) wird pauschal ungünstiger besteuert. Die meisten großen, bekannten ETFs sind aber reguläre Meldefonds — im Zweifel im Factsheet oder direkt beim Broker nachschauen.
Der Unterschied im Kern: Deutschland schätzt die Mindestwertsteigerung über eine Formel (Basiszins). Österreich rechnet mit den tatsächlich gemeldeten Erträgen des Fonds. Beide Systeme verfolgen aber dasselbe Ziel: verhindern, dass thesaurierende ETFs Steuern unbegrenzt aufschieben.
✅ Qualität checken, bevor du kaufst
Neben TER, Replikation und Ausschüttungsart lohnt sich ein Blick auf drei weitere Merkmale:
Fondsgröße
Faustregel: ab ca. 100 Mio. € gilt ein ETF als stabil, ab ca. 500 Mio. € als sehr sicher vor einer Schließung. Größere Fonds sind meist auch liquider.
Liquidität & Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Bei sehr liquiden ETFs (z. B. auf den S&P 500) liegt er oft nur bei 0,01 % — bei Nischen-ETFs kann er deutlich höher ausfallen.
Fondsdomizil
Die meisten ETFs sind als sogenannte UCITS-Fonds (EU-weit regulierte, besonders anlegerfreundliche Investmentfonds) in Irland aufgelegt (ISIN beginnt mit IE) — dank Doppelbesteuerungsabkommen sinkt die Quellensteuer auf US-Dividenden dort auf 15 % statt 30 %.
Sondervermögen
Ein ETF ist gesetzlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft und des Brokers getrennt. Geht dein Broker pleite, bleibt dein ETF-Anteil unberührt — anders als beim Firmenrisiko einer Einzelaktie wie im Wirecard-Beispiel.
✅ Das Wichtigste zusammengefasst
ETFs vergleichen auf einen Blick
Quellen
- Bundesministerium der Finanzen (Deutschland) — Basiszins 2026 zur Berechnung der Vorabpauschale, Stand: Januar 2026
- justETF — Rechenmethodik Vorabpauschale, Richtwerte zu Fondsgröße und Spread
- Österreichische Kontrollbank (OeKB) — Meldefonds-Status und ausschüttungsgleiche Erträge
- iShares (BlackRock) — Fondsdaten iShares Core MSCI World, Stand: Juli 2026
- Vanguard — Fondsdaten Vanguard FTSE All-World, Stand: Juli 2026
Alle Inhalte und Zahlen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Information, wurden sorgfältig recherchiert, aber ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität zusammengestellt — TER, Fondsvolumen, Basiszins und Steuersätze können sich ändern. Keine Anlageberatung, siehe auch unsere finanziellen Hinweise.